Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 26 = N.F Bd. 14 (1888))

196

Prof. Dr. Paul HinschiuS,

gen Schaffens sichert, die Werke der Autoren von Pantomimen
und Ballets vogelfrei und der beliebigen Ausbeutung jedes
dritten offen zu lassen, und zwar um so weniger, als zur Zeit der
Abfaffung des Gesetzes das Ballet in den Repertoire» der
hervorragendsten deutschen Theater, namentlich der Hosbühnen,
längst eine mit den übrigen dramatischen Produktionen gleich-
berechtigte Stellung einnahm, und auch seitens der Theater-
Verwaltungen den Verfassern von Pantomimen und Ballets,
wie den Dichtern von Dramen und Opernlibretti Honorare
oder Tantiemen gezahlt wurden.
Der deutsche Bevollmächtigte hat allerdings auf dem
Berner Kongreß auch die Frage erhoben, ob man jede Tanz-
scene, welche im Circus, auf dem Jahrmarkt oder auf offener
Straße dargestellt wird, schützen wolle, also die Besorgniß
ausgesprochen, daß in Folge der Hereinziehung des Ballets in
den Kreis der schutzberechtigten Objekte unter Umständen
Schaustellungen der niedrigsten Art den Anspruch auf Schutz
erheben würden. Von demselben Standpunkt aus könnte
man noch auf die herkömmlichen, auf den Affentheatem von
Affen ausgeführten Scenen Hinweisen, aber alle diese Bedenken
sind überflüssig und haltlos, weil sie die principielle Seite der
Sache nicht treffen.
Es ist selbstverständlich, daß Pantomimen und Ballets
nur in so weit, als sie überhaupt noch zu den dramatischen
Werken in dem oben erörterten Sinne gehören, unter die
schutzberechtigten Objekte fallen. Schaustellungen, welche blos
den Zweck haben, dem Publikum körperliche Gewandtheit, Ge-
schicklichkeit oder Schönheit oder die Dressur von Thieren —
das trifft die Affentheater — vorzuführen, oder bei denen,
mögen sie sich auch in einzelnen Scenen oder Bildem abspielen,
dieser Zweck als der wesentliche erscheint, sind eben keine
dramatischen Produktionen, da sie nicht dazu bestimmt sind.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer