Full text: Volume (N.F. Bd. 2 = Bd. 27 (1873))

366 Königreich Bayern. Art. 314, Abs. 1. 344, 361, 371 re.
war er darüber aufgeklärt, daß Beklagter seine frühere, nur aus
Aengstlichkeit und unter dem Eindrücke des eben ausgebrochenen
Krieges angezweifelte Zahlungsfähigkeit wirklich besitze, so war er
auch an die ursprünglichen Vertragsbedingungen gebunden, durfte
von ihnen nicht abgehen, mußte sohin wie früher auf Kredit
liefern und konnte Zahlung der fakturirten Preise erst nach Ab-
gang der Versendungsanzeige und nach Ablauf der üblichen Kredit-
frist verlangen.
Gleichwohl ist der Beklagte schon dermalen zur Zahlungs-
leistung verpflichtet. Bereits mit Brief von 18. Juli 1870
hatte nämlich der Kläger den Beklagten darauf aufmerksam ge-
macht, daß ihm bei der Ungust der politischen Verhältnisse nichts
erübrige, als das Kommissionsgut auf Lager zu nehmen, sobald
es in Havre eintreffen werde. Dabei rieth er dem Beklagten
als zweckmäßig an, den Verkauf des Gutes zu bewilligen, und
erbat sich vorsorglich schon damals Versandtinstruktion für den
Fall, daß gleichwohl die Zusendung der Baumwolle beliebt werden
sollte. Inhaltlich des oben angeführten Brieses des Agenten A.
vom 6. September 1870 versprach auch der Beklagte, indem er
auf der früher beabsichtigten Geschäftsannullirung nicht länger
bestand, an den Kläger demnächst Versandtinstruktion zu über-
machen. Er ist aber bisher seiner Verpflichtung in diesem Punkte
nicht nachgekommen. Zwar glaubt der Vertreter des Beklagten,
daß es einer Versandtinstruktion nicht bedurfte und daß Kläger
auch ohne solche die Maare hätte absenden können und sollen, da,
wenn der Empfänger über die Art der Uebersendung nichts be-
stimmt, der Versender gemäß Art. 344 des H.-G.-B. für berechtigt
und verpflichtet gelte, mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kauf-
mannes selbst die Bestimmung anstatt des Empfängers zu treffen.
Allein diese in gewöhnlichen Zeitverhältnissen und bei geregelten
Verkehrswegen dem Absender zustehende Berechtigung mußte auf-
hören, als in Folge des Ausbruches des deutsch-französischen Krieges
die zwischen den Wohnorten des Absenders und Empfängers sonst
benützbaren Verkehrsmittel vollständig gesperrt waren, die Ver-
sendung der Waare sohin nur auf großen Umwegen zu Wasser
oder zu Land mit außergewöhnlichen Kosten und unter außer-
ordentlichen Schwierigkeiten erfolgen konnte, ja nach den eigenen

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