Full text: Volume (N.F. Bd. 2 = Bd. 27 (1873))

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Königreich Bayern. Art. 250 ff.

von den übrigen dadurch, daß zwar auch hier der Betrieb eines
Handelsgewerbes für gemeinschaftliche Rechnung der Gesellschafter
geschieht, daß jedoch nur einer der Theilhaber als Kontrahent
Dritten gegenüber auftritt, während bei den anderen Gesellschaften
alle Gesellschafter als Geschäftsinhaber erscheinen und als solche
in Beziehung zu Dritten unter gemeinsame Firma treten. Die
stille Gesellschaft hat vaher auch keine gemeinschaftliche Firma,
nach Außen ist sie kein organisirtes Institut und sie wird darum
überhaupt zu den Handelsgesellschaften im Sinne des Handels-
gesetzbuches nicht gerechnet.
Faßt man nun die Geschäftsführung im gegebenen Falle ins
Auge, so wird sofort klar, daß zwischen W. und H. ein stilles
Gesellschaftsverhältniß bestanden hat.
Das Cirkular vom 1. Oktober 1866, mit welchem die Firma
„Karl H." bei der Geschäftswelt sich einsührte, lautet dahin:
„Landesproduktengeschäft an gros von Karl H."
„Ich habe die Ehre, Ihnen die Mittheilung zu machen,
daß ich mit heutigem ein Landesproduktengeschäft an gros
aus hiesigem Platze eröffnet habe rc.
Karl H.
welcher zeichnet „Karl H."
In Uebereinstimmung damit wurden auch die Geschäfte ge-
macht und die Korrespondenzen geführt. Die eingehenden Ge-
schäftsbriefe sind „an den Landesproduktenhändler. Karl H."
adressirt, die ausgehenden mit „Karl H." unterzeichnet. Wenn
aber nur unter diesem Namen Geschäfte gemacht wurden, wenn
nur Karl H., sei es mündlich oder schriftlich, Dritten als Kon-
trahent gegenüber stand, wenn das zwischen ihm und Christian
W. bestandene Gesellschaftsverhältniß nach Außen nie und in keiner
Weise zum Ausdrucke kam und stets und überall auf die beiden
Gesellschafter beschränkt blieb, wenn die Handelswelt gerade durch
die Art, wie die Entstehung des Geschäftes ihr angekündigt
und die Zeichnung der Firma ihr mitgetheilt wurde, die Ueber-
zeugung gewinnen mußte, daß Karl H. der alleinige Inhaber
des unter diesem Namen betriebenen Geschäftes sei, so können
die unter dem Namen Karl H. gemachten Geschäfte, wozu auch
die streitigen der Firina M. u. Comp, gehören, unmöglich nach

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