Full text: Volume (N.F. Bd. 2 = Bd. 27 (1873))

270 Bez. des O.-A -G. Lübeck. Art. 785, 788, 791, Abf. 2, 278.
des Handelsgesetzbuchs ausgesprochene gesetzliche Fiktion einer für
eigene Rechnung genommenen Versicherung nicht zu, denn eine
der Vorschrift des Art. 278 des Handelsgesetzbuchs entsprechende
Beurtheilung und Auslegung des vorliegenden Versicherungsge-
schästs ergiebt trotzdem, daß Kläger auch den Appellanten gegen-
über die Versicherung für Rechnung „wen es angeht" hat nehmen
wollen, und daß diese auch hierauf eingegangen sind. Was näm-
lich zunächst die Absicht des Klägers anlangt, so geht dieselbe
mit Evidenz daraus hervor, daß es sich für ihn von vorn herein
um die Versicherung von Maaren handelte, welche er nicht für
seine ausschließliche Rechnung, sondern für seine und seiner Ge-
schäftsfreunde und Auftraggeber Müller u. Co. in Havanna
gemeinschaftliche Rechnung von Cuba erwartete, und daß er aus
diesem Grunde, noch bevor er beit Abladungshasen, die Art und
die Quantität der Maaren, sowie das Schiff, mit welchem sie
verladen werden würden, kannte, die s. g. offene Police über
30,000 Thlr. aus Maaren für eigene und oder fremde Rech-
nung nahm. Als er dann später von Müller u. Co. erfuhr,
daß und in welcher Weise die beabsichtigte Unternehmung realisirt
sei, wobei sich zugleich ergab, daß die mit dem Schiffe R. G. W.
Dodge zu verladenden Maaren den erheblich höheren Werth von
60,619 Thlr. hätten, und als er nun bei den Appellanten für
den Mehrbetrag von 30,619 Thlr. ebenfalls Versicherung nahm,
lag aber, soviel ersichtlich ist, nicht der geringste Grund für den
Kläger vor, die Versicherung — sei es im Ganzen oder doch für
den Mehrbetrag von 30,619 Thlr. — nunmehr lediglich für
eigene Rechnung zu nehmen. Im Gegentheil ist unbestritten,
daß von den im Gesammtbetrage von 60,619 Thlr. mit dem
R. G. W. Dodge verladenen Maaren, welche Kläger versichern
lassen wollte, der für Klägers eigene Rechnung verschiffte An-
theil nur 20,809 ^ Thlr. betrug, und daß die beabsichtigte
Mehrversicherung mithin, auch wenn man die erste Versicherung
ausschließlich auf fremdes Interesse bezieht, jedenfalls zu einem
erheblichen Theile ebenfalls für fremde Rechnung genommen
werden wußte. Eine seiner früher ausgesprochenen Intention
entgegengesetzte Willens-Erklärung des Klägers ist denn
auch von keiner Seite behauptet und ebensowenig ist von den

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