Full text: Volume (N.F. Bd. 2 = Bd. 27 (1873))

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Vez. des O.-A.-G. Lübeck. Art. 737.

daß der Inhalt des Artikels weiter geht als der Inhalt der
unmittelbar vorhergehenden Gründe des Niedergerichts, und so-
dann, daß der Artikel für einen Fall der vorliegenden Art keine
rechtliche Norm enthält.
Daß dieses nicht der Fall sei, folgt zunächst aus seinem
Wortlaut, indem sich dieser nur aus Beschädigung von Schiffen
bezieht. Es ist aber überdies bei Gelegenheit der Discussion über
den Artikel in den Protokollen S. 2788 ausdrücklich anerkannt,
daß bei Beschädigungen der Ladung die allgemeinen Rechtsgrund-
sätze »maßgebend sein sollen; und was von der Ladung gilt, findet
auch Anwendung auf Beschädigung, bezw. Tödtung von Menschen.
Diese allgemeinen Rechtsgrundsätze aber sind enthalten in
dem aquilischen Gesetz und dessen Fortbildung durch die moderne
Rechtsbildung und ihnen zufolge war die Fassung des von dem
Niedergerichte normirten Beweissatzes für den Rechten entsprechend
zu erachten. Denn
1. der Auffassung des Obergerichts, die concurrirende Schuld
einer außer dem Ehemann der Klägerin auf dem Ewer bestndlich
gewesenen Person mit dem Verschulden des Steuermannes aus
dem Fährdampfer komme um deswillen in Betracht, weil sonst
das Verschulden des Steuermannes effectlos gewesen sein würde,
jedes Hinzutreten eines fremden Verschuldens sei aber für den
Steuermann ein Zufall gewesen, konnte nicht beigepflichtet werden.
Denn wer eine Person oder Sache in eine gefahrvolle Lage bringt,
ist auch für den Schaden verantwortlich, welcher daraus hervor-
geht, daß die Gefahr sich durch einen unglücklichen Zufall in
wirkliche Beschädigung verwandelt,
I. 11 xr. § 2. D. ad leg. aquil. 9. 2.
1. 36 § 1. D. de rei vind. 6. 1.
2. Die von dem Beklagten geltend gemachte Ansicht, welche
sich dahin präcisiren läßt, der Ehemann der Klägerin sei ver-
pflichtet gewesen, für ein Verschulden der übrigen auf dem Ewer
befindlichen Personen zu hasten, welche, wenn richtig, ebenfalls
zur Entfreiung des Beklagte» führen würde, da dem Verschulden
des Verletzten ein Verschulden seiner Vertreter gleichstehen muß,
kann eben so wenig rechtlichen Beifall finden. Offensichtlich ist

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