Full text: Volume (N.F. Bd. 2 = Bd. 27 (1873))

210 Bez. des O.-A-G7 Lübeck. Art. 708. —560, 637, 702, 701. —
angenommen ward, daß dasselbe in allen seinen Theilen von eng-
lischer Geschäftsweise und englischer Rechtsauffassung zeuge —
vgl. hiesige Sammlung der Erkenntnisse des Ober-App.-
Ger. Bd. III S. 366. Ld. IV, 93 —.
so lassen doch in dem hier vorliegenden Chartepartie-Formular,
wenn dasselbe auch sonst dem früher benutzten sich anschließen
mag, Bestimmungen von specifisch englischem Charakter sich nicht
auffinden und es hat auch beklagtischer Bevollmächtigter solche
Bestimmungen nicht namhaft gemacht. In Rücksicht hierauf wird
aber für die Frage, nach welchen Gesetzen das contractliche Ver-
hältniß der Parteien zu beurtheilen sei, dem Umstand eine ent-
scheidende Bedeutung beigelegt werden müssen, daß die Parteien,
wenn auch erst nachträglich, sich dahin verständigten, daß die
Ladung hieher gebracht und Hieselbst das Schiff entlöscht werden
solle. Durch diese Vereinbarung wählten die Parteien für die
schließliche Regulirung ihres contractlichen Verhältnisses den hie-
sigen Platz zum Erfüllungsort und unterwarfen sich damit den
hiesigen Gesetzen. Es wird hiernach unerörtert bleiben können,
ob schon in Folge des Grundsatzes, daß für die Vertheilung der
großen Havareischäden die Gesetze des Orts maaßgebend sind, an
welchem Schiff und Ladung sich trennen, das hiesige Recht für
sämmtliche zwischen den Parteien streitigen Rechtsfragen als
entscheidend anzusehen wäre; auch insoweit dieser Grundsatz nicht
Platz greift, würde den obigen Ausführungen zufolge das hiesige
Recht zur Anwendung kommen müssen. Geht man nun aber
von dieser Annahme aus, so kann
1. anlangend die in Callao entstandenen, in der beigebrachten
Dispache als große Havarei betrachteten Unkosten, zunächstdarüber
kein Zweifel obwalten, daß, wenn das Schiff nicht zufolge einer
Bestimmung der Chartepartie nach Einnahme seiner Ladung bei
den Chinchas Inseln Behufs seiner schließlichen Abfertigung Callao
hätte anlaufen müssen, hier der im Art. 708 des H.-G.-B unter
4 aufgeführte Fall vorliegen würde, also der Fall, daß „das
Schiff zur Vermeidung einer dem Schiffe und der Ladung im
Fall der Fortsetzung der Reise drohenden gemeinsamen Gefahr in
einen Nothhafen eingelaufen ist." Daß das Schiff ohnehin schon
Callao angehen mußte, kann nun aber — wie offenbar auch von

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