Full text: Volume (N.F. Bd. 2 = Bd. 27 (1873))

200 Vez. des O.-A.-G. Lübeck. Art. 612, 617, 661, 655.
Güter verantwortlich. Diese Haftung wird nach Art. 655 dadurch
nicht ausgeschlossen, daß die Identität der abgeliesertcn und der
übernommenen Güter dargethan wird. Freilich ist die gedachte
Verhaftung in Art. 654 beschränkt aus den Ersatz des Minder-
werthes, welcher aus der Nichtübereinstimmung der Güter mit
der im Connossement enthaltenen Bezeichnung sich ergiebt. Allein
die Anwendung dieser Bestimmung trifft nur dann zu, wenn der
Schiffer abliefert, was er empfangen hat. Der Connossements-
inhaber kann dagegen die Annahme des angebotenen Gutes ver-
weigern, wenn der Schiffer etwas Anderes abliefern wollte,
als er vom Ablader zum Transport für ihn erhalten hat.
(Bergl. Protocoll S. 2278/79. Makower Commentar
Note 168.)
Hieraus folgt, daß, wenn Güter mit anderen Marken als solche
das Connossement enthält, vom Schiffer angeboten werden, der-
selbe nur den Minderwerth zu ersetzen hat, wenn er den Iden-
titätsbeweis hinsichtlich der Abladung führt, daß aber der Empfänger
das anders markirte Gut nicht mit solcher Difserenzvergütmig zu
nehmen braucht, wenn der Beweis nicht erbracht werden kann,
daß das zur Ablieferung offerirte Gut identisch mit dem vom
Schiffer übernommenen ist. Mit anderen Worten: vertailscht
der Schiffer die Güter zweier Empfänger, so kann er keinen
zwingen, dasjenige Gut anzunehmen, welches nicht für ihn be-
stimmt ist, vertauscht dagegen der Verfasser des Connossements
die Marken, während der Schiffer nachweist, daß das von ihm
angeboteue Gut identisch mit dem abgeladenen ist, so haftet der
Verfrachter nur für den Unterschied, welcher zwischen dem Gut
und der Bezeichnung derselben im Connosseinent besteht.
Die Beklagten hätten also bei Lieferung von Caffe mit der
Marke A. M. statt A. N. Annahme der fraglichen Waare ver-
weigern können und der Schiffer hätte entweder Ersatz der Waare
geben müssen oder bei Führung des Identitätsbeweises jedenfalls
Ersatz des Minderwerthes. Die Beklagten haben aber durch An-
nahme des unrichtig markirten Caffe an Stelle von richtig be-
zeichnetem auf die Führung des Identitätsbeweises verzichtet und
sie dürfen daher um so weniger aus die Möglichkeit, daß das
empfangene Gut nicht für sie bestimmt war, dem Schiffer gegen-

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