Full text: Volume (N.F. Bd. 2 = Bd. 27 (1873))

184 Bez. des O.-A.-G. Lübeck. Art. 573, 595—600, 615, 653.
Ganzes den besonderen örtlichen Verhältnissen und Bedürsnissen
mehr entspreche, als die ausnahmslose Anwendung der Art. 598
und 599 des H.-G.-B.
Ueberdies unterscheidet der Art. 600 des H.-G.-B. ganz be-
stimmt zwischen der Dauer und zwischen der Berechnung der
Löschzeit, und erscheint es daher als verfehlt, wenn die Beklagten
ihn so auszulegen suchen, als ob unter den erwähnten, für die
Dauer der Wschzeit maaßgebenden örtlichen Grundsätzen oder
Gebräuchen auch alle für die Berechnung der Wschzeit
maaßgebenden örtlichen Grundsätze, — mithinauch der Ortsge-
brauch darüber, welche Tage bei der Wschzeit nicht in Ansatz
zu bringen sind, zu verstehen seien, aus welchem letzteren Ortsge-
brauche, da er nur eine negative Bestimmung enthält, sich ja
auch für die Dauer der Wschzeit selbst kein Anhaltspunkt ergiebt.
Da hiernach der Hamburgische Ortsgebrauch in Betreff des
Löschens über Eis für sich allein die Anwendung der Art. 598
und 599 des H.-G.-B. nicht ausschließt, so würde es eines Ein-
gehens auf die Behauptung des Klägers, daß dieser Gebrauch auf
keinem selbstständigen Rechtsgrundsatze beruhe, sondern nur
eine Anwendung des vor der Einführung des H.-G.-B. angenom-
menen Rechtssatzes, daß der Befrachter oder Empfänger für die
durch casuelle Unmöglichkeit herbeigeführte Verzögerung dem Ver-
frachter keine Entschädigung zu zahlen brauche, aus den Fall einer
ungewöhnlichen Erschwerung oder Vertheuerung des Löschens
bilde und daher mit dem Wegfalle jenes Principes durch das
entgegengesetzte Princip des H.-G.-B. auch diese bloße Conse-
quenz nicht mehr anwendbar sei, nur dann bedürfen, wenn
3. den Beklagten ein, von ihnen in zweiter und dritter In-
stanz allerdings behaupteter, Ortsgebrauch zur Seite stände, welcher
die Dauer der Wschzeit im vorliegenden Falle auf 14 Tage bestimmt.
Dies ist aber nicht der Fall. Wenn man nämlich
a. in formeller Beziehung für die Zulassung dieses novi
auch kein Hinderniß darin erblicken will, daß die Beklagten dupli-
cando eme von dem Kläger replicando geltend gemachte 14tägige
Löschzeit nicht anerkennen wollten, weil dieser Widerspruch füglich
auch dahin verstanden werden kann, daß nur die Angemessen-
heit derselben nach Lage des vorliegenden Falles gegenüber der

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