Full text: Volume (N.F. Bd. 2 = Bd. 27 (1873))

Be$. des O.-A.-G. Lübeck. Art. 197, 218. 115
An Herrn vr. A. P. (berühmter Name) in Wicsbadcil
wollen Sie gef. frco. und pr. Eilfracht absenden:
4 mal 6 verschiedene Flaschen Wein ä 20' Sgr.
Nehmen Sie, wenn möglich, eine Qualität von 25 Sgr.,
denn P. kann sehr empfehlen in Familien.
Die Factura wollen Sie mir zum s. z. Jncafsoeinsende».
P.'s Bruder ist ebenfalls sehr berühmt."
Und in der Thal erhielt der Betreffende den Wein als
Honorar für eine Schuld des Reisenden an ihn für ärztliche Be-
mühungen.
Es handelte sich also gar nicht um ein Geschäft zwischen
Beklagtem und jenem Arzt, und von einem Jncasso von ihm war
keine Rede.
Daß klägerischer Auftraggeber den Posten selbstverständlich
■ seinerseits bezahlen wollte, ändert an der Täuschung des Beklagten
'Nichts.
Als ein Gesichtspunkt, welcher von entscheidender Bedeutung
ist, muß es betrachtet werden, ob verständiger Weise der Vorfall
das Vertrauen des Beklagten in die Wahrhaftigkeit der klägcrischen
Briefe bei fernerem Verkehr hindern mußte oder nicht.
Angesehen nun die Stellung solches Reisenden und dessen
großen Einfluß auf die Geschäfte und den Ruf des vertretenen
Hauses, muß es für berechtigt erklärt werden, wenn ein Principal,
nachdem dies vorgekommen ist, sein Vertrauen für gemißbraucht
und die ihm schuldige Treue verletzt erachtet.
In dem schon in dem früheren Erkenntniß angeführten
andern Fall ist es ebenso — freilich abweichend von der Entschei- .
düng der ersten Instanz — für eine Pflichtverletzung und als
Grund für sofortige Entlassung anerkannt worden, daß der Reisende,
um einen Nebenort, wohin er für Geschäfte nicht zu gehen hatte,
zu besuchen, dem Principal wider besseres Wissen geschrieben hatte,
daß eine Schwester von ihm daselbst Hochzeit machen werde.
Dieses Erkenntniß ist auch nicht angcfochten, beziehentlich
unter dem 4. März 1867 vom Obergericht bestätigt worden.

Vom Obergericht auf klägerische Appellation am 12. Januar
1872 conftrmirt. M.

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