Full text: Volume (Bd. 24 (1872))

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Königreich Bayern. Art. 324, 342.

Es ist eine gewöhnliche Erscheinung, daß bei schnellem Sinken
des Preises einer Waare die Käufer sich den eingegangenen Ver-
pflichtungen möglichst zu entziehen suchen und Alles aufbieten, um
sich von der Erfüllung des abgeschlossenen Rechtsgeschäftes zu be-
freien. Notorisch trat auch beim Hopfen zu der hier fraglichen Zeit
ein rasches Fallen der Preise ein, und diesem Umstande scheint die
Weigerung der Vertragserfüllung beklagterseits nicht fremd zu fein.
Der Beklagte glaubt sich auf einen vorgefallenen Jrrthum
und einen dem Kläger zur Last fallenden Betrug berufen zu
können , allein in der Vernehmlassung ist zugegeben, daß der Be-
klagte nicht blos etwa diejenige Quantität Hopfen, von welcher
allein er eine Probe genommen haben will, sondern den Hopfen
des Klägers im approximativen Anschläge zu 4—5 Centner ge-
kauft hat. lieber den Gegenstand des Kaufes fand deßhalb ebenso
unzweifelhaft Willensübereinstimmung beider Theile statt, als dieß
bezüglich des Preises der Fall war. Es könnte sich daher nur
noch um einen Jrrthum in der Beschaffenheit der Waare handeln,
bezüglich dessen von vorneherein in Frage käme, ob ein solcher
Jrrthum hier überhaupt einen wesentlichen Theil des Vertrages
betreffen würde, nachdem irgend eine besondere Beschaffenheit und
Güte des Hopfens gar nicht bedungen wurde. Der Beklagte sagt
nämlich selbst, er habe vorausgesetzt, daß der ganze Hopfenvorrath
des Klägers aus einem Hausen liege und gleichmäßig beschaffen
sei, allein eine solche Voraussetzung wurde weder zur vertrags-
mäßigen Bedingung erhoben, noch war sie durch die sonst gewöhn-
lichen Verhältnisse gerechtfertigt, sie beruhte daher nur auf einer
unbegründeten Annahme des Käufers und diese kann keinen Grund
zur Aufhebung des Vertrages geben, (vergl. Thl. I, Tit. IV, § 81
des hier zur Anwendung kommenden Preuß. Landrechts.)
Der angebliche Jrrthum, sowie die Möglichkeit eines Betruges
soll sodann dadurch veranlaßt worden sein, daß der Boden, aus
welchem sich der Hopfen befand, finster war. Es ist jedoch an
sich äußerst unwahrscheinlich, daß der Boden eines Bauernhofes
selbst bei geschlossenen Bodenläden so dunkel sein soll, daß man
am hellen Tage nicht einmal den Umfang der daliegenden Hopfen-
quantität und deren Vertheilung in 2 Haufen hätte sehen können.
Jedenfalls aber lag die Waare vor dem Beklagten, und er hätte

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