Full text: Volume (Bd. 24 (1872))

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Königreich Bayern. Art. 278.

veranlaßten Schadens verpflichten, wobei jedoch noch zu bemerken
ist, daß die gleiche Ersatzpflicht auch durch grobe Fahrlässigkeit des
die schädlichen Rathschläge und Empfehlungen Ertheilenden begründet
wird, weil nach jenem Gesetze die grobe Fahrlässigkeit dem bösen
Borsatze in civilrechtlicher Hinsicht völlig gleichgestellt ist.
Dagegen konnte die Ansicht des Erstrichters, es lasse sich nach
2age der Sache annehmen, daß dem Erlasse des Brieses vom
15. Februar 1868 ein arglistiges Verfahren des beklagten Hand-
lungshauses zu Grunde liege, hierorts nicht gebilligt werden.
Derselbe hat dieses insbesondere aus der gleichzeitigen Bestellung
einer Hypothek Seitens der Beklagten für sich und aus der Ver-
schweigung dieses Umstandes in dem vorgedachten Briefe überhaupt,
sowie speziell in Bezug auf die Größe der Forderung entnehmen
zu können geglaubt; allein abgesehen davon, daß ein dringendes
Interesse, welches die beklagte Firma zu einem arglistigen Verfahren
gegen die Klagspartei bestimmt haben sollte, nicht wohl festzustellen
ist, da sie selbst zur Zeit der Absendung des fraglichen Briefes
bereits eine vollkommen ausreichende hypothekarische Sicherheit für
ihre eigenen Forderungen an V. erlangt hatte, so ist auch durch
den Brief vom 3. März 1868 dargethan, daß S. spätestens an
diesem Tage von der Existenz der Hypothekrechte der Beklagten
Kenntniß erlangt hat, woraus jedenfalls soviel folgt, daß damals
auf die betreffende Thatsache und deren anfängliche Verschweigung
von dem dermaligen Kläger irgend ein entscheidendes Gewicht nicht
gelegt worden ist, indem er ungeachtet der erlangten Kenntniß
davon die Geschäftsverbindung mit B. fortgesetzt und dem-
selben sogar am 6. März 1868 für 250 fl. neue Maaren abge-
lassen hat.
Ferner steht fest, daß das wirkliche Guthaben der Beklagten
bei V. am 15. Februar 1868 nicht 1500 fl. sondern nur 900 fl.
betragen hat, wonach eine unwahre Angabe über die Größe der
V.'schen Hypothekschulden in dem Briefe von diesem Tage keines-
wegs enthalten ist, weil das Verfahren der Beklagten, bei Berech-
nung der Gesammthypothekenschulden des V. nur jenen Betrag
anstatt der im Hypothekbuche für sie eingetragenen Summe von
1500 st. in Ansatz zu bringen, auch dadurch seine Rechtfertigung
findet, daß die Hypotheken bekanntlich nur accessorischer Natur

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