Full text: Volume (Bd. 24 (1872))

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Königreich Bayern. Art. 271.

wenn er eine Aenderung des durch.die Taxe an sich festgestellten
Bestandes der Versicherungsobjecte geltend machte seine dessallsige
Behauptung beweisen müsse.
Die Gezeichnete, ein wesentliches Glied des fraglichen Jdeen-
ganges bildende Vermuthung der Fortdauer eines Zustandes kann
aber dermalen bezüglich der Ernte- und Futtervorräthe des Klä-
gers nicht Platz greifen. Denn da erfahrungsgemäß von den Oeco-
nomen die Ernte an Getreide und Futter theils zum eigenen Ver-
brauche, theils zum Verkaufe verwendet wird, so spricht schon im
Allgemeinen die Wahrscheinlichkeit dagegen, daß Kläger, welcher
eine offene Wirthschaft mit Oeconomie betrieb, noch am 29. Ja-
nuar 1869, sohin ein halbes Jahr nach der Ernte des
Jahres 1868, das sämmtliche damals eingeheimste Getreide und
Viehfutter besessen habe, und wurde auch vom Kläger selbst der
theilweise Verbrauch dieser Vorräthe, namentlich des Viehfutters,
zugegeben.
Wenn aber die berührte Vermuthung wegen dieser besonderen
tatsächlichen Umstände hier nicht Platz greift, so kann aus der
Taxe der Police ein Schluß auf die Größe und den Werth der
zur Zeit des Brandes noch vorhandenen Erntevorräthe mit
Sicherheit überhaupt nicht mehr gezogen werden, und tritt daher
im vorliegenden Falle die Bedeutung der policemäßigen Taxation
dieser Vorräthe vollständig in den Hintergrund.
Hierzu kommt noch, daß das gedruckte Formular des Ver-
sicherungsantrages, dessen Inhalt für die Beurtheilung der zwi-
schen den Parteien bestehenden Rechtsverhältnisse von erheblicher
Bedeutung ist, die ausdrückliche Bestimmung enthält, daß die Ver-
sicherung der in den Gebäuden enthalteneil Felderzeugnisse der
laufenden Ernte sich nach Maßgabe der Aussaat, der Consum-
tion, des Verkaufes und jeder sonstigen Naturalverwendung ver-
mindert, wodurch die fortwährende Veränderlichkeit der betref-
fenden Versicherungssumme constatirt und deren Charakter als
einer festbestimmten und stabilen Taxe überhaupt in Frage ge-
stellt ist.

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