Full text: Volume (Bd. 24 (1872))

Königreich Bayern. Art. 207 ff.

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gemacht haben, ein Aktienunternehmen mil? dem von ihnen ge-
zeichneten Grundkapitale zu beginnen, so würde die Constitnirung
einer wirksamen Aktiengesellschaft wohl nicht zweifelhaft gewesen
sein, und es wäre dann Sache Derjenigen, welche mit ihr kon-
trahirten, gewesen, sich nach ihrer Vermögenslage und nach den:
Betrage des Grundkapitales zu erkundigen, um zu bemessen, in-
wieweit ihr Kredit gegeben werden konnte.
Allein in.dieser Weise haben die Beklagten nicht gehandelt,
die gedachte Urkunde läßt vielmehr klar entnehmen, daß das
ursprünglich beabsichtigte Aktienunternehmen mit einem Grund-
kapitale von 77000 fl. in's Leben gerufen werden wollte. Die
Berufungsschrift des einen Appellanten gibt ausdrücklich zu, daß
die Statuten hierüber in Hunderten von Exemplaren verbreitet
waren und für jeden der Interessenten eine Notorietät bildeten,
und der Eintrag im Handelsregister wurde von E. auf Grund
der betreffenden Statuten erwirkt. In diesen ist aber ein Grund-
kapital von 77000 fl. bezeichnet, und jeder, welcher mit der
Aktiengesellschaft kontrahirte, wollte daher auch nur mit einem
fundirten, den öffentlichen Bekanntmachungen entsprechenden ver-
mögensrechtlichen Subjekte sich einlassen. Da jedoch ein solches
nicht bestand, weil eine vollständige Aktienzeichnung niemals er-
folgte, so haften den Klägern ihre Gegenkontrahenten persönlich,
(vergl. Seusfert's Lehrbuch der Pand. § 339; H.-G.-B. Art. 211.)
und dies sind die Unterzeichner der Urkunde vom 28. Octbr. 1861
und darunter auch die beiden Beklagten, indem sie es sind, welche
die Fabrikdirection zum Geschäftsbetriebe aufstellten und autori-
sirten, sohin demgemäß auch für die Contracte ihrer Bevollmäch-
tigten einstehen müssen, ohne daß weiter die Absicht, welche sie
bei der Ausstellung der Fabrikdirection hatten, in Betracht gezogen
werden kann. Da diese Aufstellung von den Betheiligten als Ge-
sellschaft erfolgte, ist die Haftung für die Handlungen des Factors
auch eine solidarische (Vgl. Seuffert a. a. O., § 351, 338.).
Wenn die Beklagten nur mit ihrem Actienantheile haften
wollten, so durften sie weder ein anderes, als das wirklich zu-
sammengebrachte Actiencapital proclamiren, noch die unbegebenen
Actien gleich einem effectiven, ihrer Verfügung unterstellten Ver-
mögenswerthe behandeln und für Darlehen verpfänden, wie sie es

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