Full text: Volume (Bd. 24 (1872))

Königreich Bayern. Art. 57, 62.

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so wird es den Eltern des betreffenden Kindes, welche ohnehin
schon ein Kind im Alter von 7 Jahren in Folge eines gleichen
Leidens durch den Tod verloren hatten, nicht verargt, sondern ihr
Vorschreiten als ein berechtigtes angesehen werden dürfen, wenn sie
ihr Kind der gefahrdrohenden Beschäftigung entzogen, zumal ihnen
nicht alsbald vom Kläger nachgewiesen wurde, daß die
ihnen gebotenen Voraussetzungen für die Annahme eines schädlichen
Einflusses der bezüglichen Dienstleistung auf die Gesundheit ihres
Sohnes weit übertrieben, ja sogar irrig waren.
Es kann daher der von dem Kläger unternommene Versuch,
diesen Nachweis jetzt zu liefern, bei wesentlich veränderter Sach-
lage schon als verspätet keinerlei Wirksamkeit mehr äußern.
Art. 57, 62.
Auslösung eines Dienstverhältnisses vor der be-
stimmten Zeit wegen Verwendung des Bediensteten
zu einer von Natur oder von Rechtswegen unmög-
lichen Handlung.
Nach Vertrag vom 31. Mai 1869 war der Beklagte von der
klägerischen Firma in ihrem Verlags-Geschäfte zuletzt zur Vor-
nahme von Versuchen im photographischen Druckverfahren verwen-
det und ihm für den Fall des, von beiden Kontrahenten ange-
nommenen, „demnächstigen" Gelingens dieses Verfahrens eine
Reihe vermögensrechtlicher Vortheile zugesichert, wogegen die Ver-
tragsdauer, mit dem Beginne vom 1. Juni 1869, also nicht
blos von dem — immerhin ungewissen — Eintritte des allen-
sallsigen Gelingens des gedachten Verfahrens an, auf sechs Jahre
bestimmt worden ist.
Der Beklagte hatte sich jedoch der erwähnten Dienstleistung
einseitig unter dem Vorwände entzogen, daß ihm dieselbe faktisch
und rechtlich unmöglich sei, was die Veranlassung zur Klage mit
der Bitte um Verurtheilung des Beklagten zur Fortsetzung seiner
Dienste gab.
In Würdigung dieses Rechtsverhältnisses enthält ein handels-
appellationsgerichtliches Erkenntniß vom 26. Novbr. 1869 nach-
stehende Ausführungen:
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. XXIV.

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