Full text: Volume (Bd. 24 (1872))

Entscheidungen des R.-O.-H.-G. rc. Art. 653, 654, 655, 656, 660. 205
haftet aber trotzdem auch in solchem Falle für diejenige Beschä-
schädigung, welche bei Uebernahme der Güter sichtbar war und
von ihm im Connossemente nicht bemerkt ist.
Art. 660 des H.-G.-B.
Für eine derartige Beschädigung wird er daher um so mehr
haften, wenn er das Connossement ohne den im Art. 659 ge-
dachten Zusatz zeichnete. Der Ausdruck in good order and
condition bezieht sich indeß nur auf die äußere Beschaffenheit des
Gutes, kann keinenfalls dann dem Schiffer eine Haftung für die
innere Beschaffenheit aufbürden, wenn das Connossement (wie hier)
mit dem Zusatze „Inhalt unbekannt" gezeichnet ist, was wie aus
dem Sinne des gebrauchten Ausdruckes und der Natur der Sache
auch aus dem
Art. 656 des H.-G.-B.
entnommen werden müßte.
Wenn daher an den überbrachten Gütern eine äußere, d. h.
äußerlich sichtbare Beschädigung vorhanden ist, so wird der Kläger
dafür verhaftet sein, da er das Connossement nicht „frei von Be-
schädigung" zeichnete und ihm deshalb ein Verschulden nicht nach-
gewiesen zu werden braucht.
Ungeachtet dieser Allgemeinheit der Haftung des Schiffers
(Verfrachters) an sich, ist jedoch der Unterschied nicht außer Acht
zu lassen, ob die Beschädigung seit der Empfangnahme der Güter
erstanden ist, oder ob schon vor derselben die Beschädigung vor-
handen war. In jenem Falle ist dem Schiffer nämlich die Mög-
lichkeit gegeben nach Art. 607 des H.-G.-B. durch den Beweis
der hier (Art. 607) gedachten Ursachen der Beschädigung die Haf-
tung von sich abzuwenden, während im anderen Falle dieser
Beweis ihn nicht befreit. Wenn daher der Empfänger nur eine
vor der Empfangnahme der Güter durch den Schiffer schon vor-
handen gewesene Beschädigung gegen diesen auf Grund des Con-
nossements geltend macht, so wird er, da der Schiffer für eine
andere Beschädigung nicht in Anspruch genommen wird, also (dem
Empfänger gegenüber) im gegebenen Falle davon frei ist, auch
darthun müssen, daß die Beschädigung vor dev Einnahme vorhan-
den gewesen sei. Er muß also darthun, daß die von ihm behaup-
tete Landbeschädigung vorhanden sei, oder m. a. W., daß die be-

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