Full text: Volume (Bd. 24 (1872))

182 Entscheidungen des R.-O.-H.-G. Zu Art. 357.
Auf Appellation des Klägers hat das Obergericht am 20.
Januar 1871 erkannt:
Da in der nach dem notariellen Protocoll Anl. 2 an den
Beklagten gerichteten Aufforderung des Notars das, bei einer Banco-
Zahlung ungewöhnliche Verlangen, daß der Beklagte sofort An-
stalten zur Zuschreibung des Banco treffe, keinen Ausdruck gefun-
den hat, demnach auch in der von dem Beklagten ertheilten Ant-
wort „er werde den ihm aufgegebenen Betrag heute pr. Bank
abschreiben" nicht im Gegensatz zu einem nicht ersichtlichen Ver-
langen der Zug um Zug vorzunehmenden Zahlung unter Premi-
rung des Wortes „heute" die Bitte um Gewährung einer eigent-
lichen Zahlungsfrist, welche sodann stillschweigend unter Manute-
nirung der einmal constituirten Mora 'des Beklagten bewilligt
wäre, sondern nur eine einfach bejahende, die Absicht, seinerseits
das Geschäft auszuführen und „die ihm danach obliegende Leistung
zu erfüllen," ausdrückende Erklärung gefunden werden kann.
Da mithin in dem in der Anl. 2 beschriebenen Vorgänge,
insofern nach der vorerwähnten Antwort des Beklagten der Notar
die offerirten Actien wieder fortnahm, demselben auch keinerlei
Mittheilungen etwa in der Richtung machte, daß die Actien bei
ihm, dem Notar, deponirt seien behufs Verfügung des Beklagten
über dieselben nach seinseitiger Beschaffung der zugesagten Zahlung,
eine gehörige Offerte und eine den Beklagten in Verzug versetzende
Interpellation nicht gesunden werden kann, vielmehr, wenn nichts
weiter vorgesallen wäre, der Beklagte noch eine bis 1 Uhr vorzu-
nehmende gehörige Interpellation unter effectivem Leistungserbieten
seitens des klägerischen Cedenten hätte erwarten dürfen;
da aber nach dem feststehenden anderweitigen Benehmen des
Beklagten bei dem fraglichen Vorgänge anzunehmen ist, daß der-
selbe eine nochmalige Interpellation und Offerte nicht erwartete,
vielmehr die ihm durch den Notar geschehene Präsentation von
Actien als eine gehörige Interpellation und Offerte gelten lassen
wollte, resp. den Notar und den klägerischen Cedenten zu diesem
Glauben inducirte, indem der Beklagte nicht nur die Actien, nach-
dem er sie in Händen gehabt, dem Notar zurückgab, sondern auch
sich zuvor die Nummern der präsentirten Stücke notirte, dies letz-
tere aber als völlig zwecklos betrachtet werden müßte, wenn der

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