Full text: Volume (Bd. 24 (1872))

Entscheidungen des R.-O.-H.-G. rc. Art. 347. 173
die Absicht des Klägers, das volle gelieferte Gewicht zu dem Con-
tract-Preise vergütet zu erhalten, Einwendungen erhoben habe.
Er bestreitet indessen, daß er Veranlassung dazu gehabt habe, eine
erhebliche Gewichtsüberschreitung anzunehmen, da er als Nichttech-
niker das Gewicht von Maschinenstücken nicht beurtheilen könne
und da die ihm zugestellte Factura nicht das jetzt vom Kläger zu
Grunde gelegte Gewicht ausgewiesen habe. Allein mit diesem aus-
weichenden Vorbringen vermag er nicht durchzudringen.
Zwar hat er geleugnet, eine der klagend beigebrachten Fac-
tura gleichlautende Rechnung zur Zeit der Lieferung der Turbine
erhalten zu haben: allein die Abweichung der Gesammtsummen
der früheren Rechnung und der jetzt angegebenen soll (nach fol.)
„nur nahezu 100 Thlr." ausgemacht haben. Dieser Belauf re-
präsentirt aber bei Berechnung des Centners zu 8 1/2 Thlr nicht
völlig 12 Centner. Dem Beklagten ist also, selbst bei Zugrunde-
legung seiner Angabe das Gewicht der Turbine mindestens auf
186 bis 187 Centner (198 Centner 31 Pfund weniger 12 Cent-
ner) angegeben worden.
Wurde dem Beklagten hiernach das Vorhandensein eines um
ein Bedeutendes (circa 45 %) schwereren Gewichts, als das ver-
einbarte und sogleich die Absicht des Klägers kund gemacht, Zah-
lung für das Uebergewicht zu verlangen, so würde eine nicht zu
statuirende Verletzung des contractlichen guten Glaubens darin
gelegen haben, wenn der Beklagte den Kläger mit der Lieferung
und Aufstellung der schwereren — vermuthlich auch Werth volleren
und dauerhafteren — Maschine Vorgehen ließ, ohne denselben zei-
tig davon zu benachrichtigen, daß er beabsichtige, die ihm von
Jenem manisestirte Voraussetzung der Zahlungserlangung für das
wirkliche Gesammtgewicht zu bestreiten. Indem der Beklagte so,
wie angegeben, verfuhr, ließ er sich die Lieferung auf einer —
falls seine Angabe über die in Rede stehende Vereinbarung be-
gründet sein sollte — modificirten Grundlage gefallen.
Von dieser Behandlung des vorliegenden Punktes auszugehen,
ist, wie schon oben angedeutet worden, hier um so unbedenklicher,
da der Beklagte durch die bis zum Belaufe von 1484 Thlr.
1 Ngr. 3 Pfg. aus die Turbine geleisteten Zahlungen (fol.) auch
später zu erkennen gegeben hat, daß er weit über den Belauf von

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer