Full text: Volume (Bd. 24 (1872))

160 Entscheidungen des R.-O.-H.-G. rc. Art. 338. 357—359.
anderen Falle ermächtigt, den Verkauf für seine, Beklagtens,
Rechnung sofort zu bewirken, für solchen Fall aber versprochen,
die etwaige Differenz, welche sich bei diesem Verkaufe zu Beklag-
tens Ungunsten Herausstellen sollte, sofort nach Empfang der Ab-
rechnung zu bezahlen und dem Kläger für den Fall, daß er den
Roggen effectiv in Empfang nehmen, also nicht wieder durch Klä-
gern an der Börse verkaufen lassen sollte, für den Ein- und Ver-
kauf an Provision und Courtage 21/* °/0 zugesichert. Diese Offerte
habe Kläger acceptirt und, da Beklagter bis zum 30. September
1864 über den Roggen nicht disponirt, nach geschehener Ankündi-
gung am 3. resp. 4. October 1864 die 100 Mispel Roggen wie-
der verkauft, resp. zu dem an diesen. Tagen börsenmäßig durch-
schnittlichen Preise von 30 Thalern 15 Sgr. — Pf. pr. Mispel
übernommen und davon den Beklagten an den nämlichen Tagen
unter Beifügung der Abrechnung brieflich in Kenntniß gesetzt, und
sei ihm demnach der Beklagte die sich hiernach ergebende Differenz
im Betrage von 1043 Thlr. 15 Sgr. — Pf. sammt Verzugs-
zinsen vom Tage der insinuirten Klage an schuldig geworden.
Der Beklagte hatte zwar in seiner Einlassung den Grund
der wider ihn erhobenen Klage formell im Wesentlichen geleugnet,
allein sonst unter Anerkenunng des bei der Klage inducirten von
ihm unterschriebenen Schlußzettels eingeräumt, daß er das in der
Klage beschriebene Differenzgeschäft mit dem Kläger abgeschlossen
habe.
Unter solchen Umständen würde die Verurtheilung des Beklag-
ten noch von den Resultaten der vom Kläger unternommenen
Bescheinigung der Richtigkeit der Unterlagen der von ihm ausge-
stellten Abrechnung abhängig gewesen sein, wenn nicht der Kläger
in seiner Einlassung auf eiue vom Beklagten vorgeschützte Einrede
Zugeständnisse abgelegt hätte, aus denen sich die Unwahrheit der
zur Begründung seiner Klage wesentlich erforderlich gewesenen
thatsächlichen Behauptungen ergibt.
Es hatte nämlich der Beklagte dem zur Darlegung der Be-
rechtigung Klägers zum Verkaufe des im Aufträge Beklagtens er-
kauften Getreides unumgänglich erforderlichen Anführen in der
Klage, daß Beklagter bis zum 30. September 1864 über dieses
Getreide nicht disponirt habe, den Einwand entgegengesetzt, daß

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