Full text: Volume (Bd. 24 (1872))

144 Entscheidungen des R.--O.-H.-G. Art. 300 f.
klagter der Klagforderung gegenüber in Ausrechnung gebracht. Und
hierzu erscheint er, dafern Kläger den in Frage stehenden Auftrag
Weinreich's dem Beklagten gegenüber acceptirt hat, jedenfalls
in der von der zweiten Instanz angedeuteten Beschränkung wohl
befugt. Die vorigen Instanzen haben dies gleichmäßig anerkannt
und dem Beklagten den Beweis seines Vorbringens, soweit es
vom Kläger geleugnet worden, auserlegt. Mit Unrecht bestreiten
die Parteien mittels der eingewendeten Rechtsmittel theils die
Schlüssigkeit, theils die Beweisdürstigkeit dieses Vorbringens.
I. Klägers Appellation anlangend.
Das nach dem Vorstehenden abgeschlossene Rechtsgeschäft ent-
hält eine Anweisung im Sinne von Art. 300 des A. D. H.-G.-B.,
jet. §. 1328 des Sächsischen bürgerlichen Gesetzbuches. Denn die
von Weinreich ausgesprochene, an den Kläger gerichtete Bitte,
3500 Thlr. zur Disposition Schmidt's, des Beklagten, zu halten,
involvirte das Mandat zur Zahlung dieser Summe und, daß
die aufgetragene Zahlung für Rechnung des Auftraggebers Wein-
reich vollzogen werden sollte, ergiebt sich unzweideutig aus den
Schlußworten des Briefes, welche den Kläger ermächtigen, den
Aussteller des Briefes, Weinreich, mit dem Betrage zu belasten.
Kläger irrt, wenn er der Ansicht Geltung zu verschaffen sucht, es
habe sich hierbei um einen blosen Creditauftrag — mandatum
qualificatum — 1. 6. § 4. 1. 10. § 8. 1. 21. 56. pr. D. man-
dati (17. 1). §. 1476 des Sächsischen B. G.-B. — in dem
Sinne und mit der Wirkung gehandelt, daß durch Realisirung
des Mandats Seiten des Klägers des Letzteren Schuldner zu-
nächst Beklagter selbst geworden sein würde, während der Mandant
lediglich als Bürge haftet. Seiten des Klägers wird hierbei
nicht allein die klare Bedeutung der oben ausgehobenen Schluß-
worte des Briefes, sondern auch der Sinn des Geschäfts über-
haupt verkannt. Denn nicht dahin ging der an den Kläger von
Weinreich gerichtete Auftrag, mit dem Beklagten — der Begriffs-
bestimmung des Kreditaustrags entsprechend — (zu vergleichen die
Fassung des obenerwähnten § 1476 des Bürgerlichen Gesetzbuches*)
*) 1476 cit. lautet: „Hat Jemand einem Anderen in der Weise Austrag
gegeben, daß der Beauftragte im eigenen Namen und auf eigene Rechnung,

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