Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

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Abhandlungen.

gesetzbuchs weder hierbei noch überhaupt bei dem entstandenen
Schaden weder die Bahn-Verwaltung noch deren Leute ein Ver-
schulden treffen, am allerwenigsten also der Diebstahl von dem Bahn-
personal selbst vollführt worden sein.
3. Aehnlich verhält es sich mit den übrigen im Art. 424 des
H.-G.-B. aufgeführten Befreiungsgründen von der Haftpflicht,
welche die Eisenbahnen, wie bereits angegeben, sämmtlich in ihr
Reglement ausgenommen und dadurch zur lex eontraetrm ge-
macht haben. Es bleibt hierbei nur noch zu bemerken: ad Ziff. 3,
des Auf- und Abladen betreffend, ist es selbstverständlich, daß die
Haftpflicht der Eisenbahn erst mit der Uebernahme des selbstver-
ladenen Guts beginnt bez. mit der Ueberweisung des betreffenden
Wagens an den Destinatär endet?) Ebenso ist es einleuchtend,
daß in diesem Falle, wie auch in dem mehrerwähnten Vereins-
reglement § 5, Nr. 1 bestimmt ist, im Falle, daß die Aufladung
durch den Absender geschehen ist, die Angabe des Gewichts oder
der Menge des Guts in dem Frachtbriefe keinen Beweis gegen
die Eisenbahn bilden kann.
Wie es im Gesetze ausdrücklich heißt, wird dann, wenn das
Auf- oder Abladen von dem Absender bez. Empfänger besorgt wird,
von Seiten der Eisenbahn nur für denjenigen Schaden nicht ge-
haftet, welcher aus der mit dem Auf- und Abladen oder mit mangel-
hafter Verladung verbundenen Gefahr entstanden ist, wie denn in
allen in dem Art. 424 aufgeführten Fällen von Seiten der Eisen-
bahn immer nur die Haftbarkeit für denjenigen Schaden abgelehnt
wird, der von den besonderen dort namhaft gemachten Voraus-
setzungen herzuleiten ist. Jndessen' ift es selbstverständlich, daß hierbei
nicht auch noch die Eisenbahn-Verwaltung bez. deren Leute ein be-
sonderes Verschulden treffen darf und kann es z. B. nicht dem
Auf- und Abladen des Absenders oder Empfängers zur Last gelegt
werden, wenn das Material, welches dem Absender zur Verfügung
gestellt worden, sich als zu schwach erweist. In diesem Falle darf
der Eisenbahn nicht gestattet werden, sich aus den Umstand des
nicht von ihr geschehenen Ausladens zu berufen. Dagegen darf
aber auch nicht der Vorwurf des eigenen Verschuldens für den

') Koch in Goldschmidts Zeitschrift, X, S. 78. Vgl. Lutz, Prot., S. 5002.

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