Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

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Abhandlungen.

beträgt. Dieser Procentsatz wird, im Falle mehrere Stücke zu-
sammen auf einen Frachtbrief transportirt worden find, für jedes
Stück besonders berechnet, wenn das Gewicht oder das Maß der
einzelnen Stücke im Frachtbriefe verzeichnet oder sonst erweislich ist.
Die vorstehend gedachte Befreiung von der Haftpflicht tritt
nicht ein, wenn und soweit nachgewiesen wird, daß der Verlust
nach den Umständen des Falls nicht in Folge der natürlichen Be-
schaffenheit des Guts entstanden ist, oder daß der angenommene
Procentsatz dieser Beschaffenheit oder den sonstigen Umständen des
Falles nicht entspricht.
§ 2.
Ausgabe und Ablieferung des Frachtguts.
1. Da der Frachtführer von der Empfangnahme des Guts
bis zur Ablieferung haftet, und nicht von einem früheren Zeitpunkte
an und bis zu einem späteren Momente, so ist der Absender, welcher
den Frachtführer wegen Beschädigung des Frachtguts in Anspruch
nimmt, verbunden die unversehrte Uebergabe desselben an den Fracht-
führer darzuthun, sobald das Frachtgut in verpacktem Zustande zur
Beförderung übergeben worden war, also dergestalt, daß der Fracht-
führer gar nicht im Stande war, sich von dem unversehrten Inhalt
zu überzeugen?) War indessen der Frachtführer im Stande, sich
von der Beschaffenheit des Inhalts des Frachtguts zu überzeugen,
sei es, daß dasselbe unverpackt überliefert wurde, oder daß die Ver-
packung der Art war, daß der Inhalt ohne Schwierigkeit, nament-
lich auch ohne die Verpackung zu öffnen oder zu entfernen (was
weder dem Frachtführer zusteht noch auch ihm zugemuthet werden
kann) besichtigt und geprüft werden konnte, so muß, wenn der
Frachtführer das Frachtgut unbeanstandet angenommen hat, daraus
auch auf den unversehrten Inhalt geschlossen werden?)

1) Koch, das a. d. H.-G., S. 397, Note 10; Koch in Goldschmidts Zeit-
schrift, VIII, S. 437; Wächter, Handelsrecht I, S. 270, Note 24; v. Kräwel, das
(t. d. H.-G., S. 544 bis 546. St.-A. u. 2t. G., Frankfurt in Busch Archiv
XII, S. 399 flg. Anders dagegen, wenn das Frachtgut aus solchen Maaren
besteht, welche vermöge ihrer eigenthümlichen natürlichen Beschaffenheit der be-
sonderen Gefahr ausgesetzt sind, gänzlichen oder theitweisen Berlust oder Be-
schädigung zu erleiden, worauf wir noch znrückkommen werden.
2) Handels- und Obergericht Hamburg in Busch Archiv XVI, S. 274 flg.

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