Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

442 Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Zu Art. 742—756.
bank getrieben werden, auf derselben sitzen bleiben und zerschellen
konnte;
da namentlich — und zwar auch dann, wenn, der Behauptung
der Kläger entgegen, man am Bord des „Paraguay" eine Karte der
Gegend gehabt hätte — die Bezeichnung des Fahrwassers mit
Tonnen voraussichtlich nicht genügt haben würde, um der der
Gegend ganz unkundigen Besatzung des Dampfschiffes es zu ermög-
lichen , ihr Schiff sicher zwischen den Sandbänken hindurchzu-
führen ;
da unter diesen Umständen den Klägern dafür, daß sie das
Schiff — wie auch die beklagtische Verklarung einräumt — in
das rechte Fahrwasser und, ohne daß dasselbe eine weitere Be-
schädigung erlitten hätte, auf die Rhede von Amrum in Sicherheit
brachten, nicht nur Lootsgeld, sondern ein Hülfslohn nach den
für die Hülfsleistung in Seenoth geltenden Grundsätzen zuzu-
sprechen ist —
vgl. auch das Erkenntniß des Ober-Appellattions-Gerichts
in Sachen Dris. Biesterseld m. n. c. Capt. Paulsen,
hiesige Sammlung, Bd. 2, S. 1608, unter Nr. 3 —;
da dieser Annahme es auch nicht entgegensteht, daß die Kläger
geständlich aus dem Lootsen von Schiffen ein Gewerbe machen,
indem daraus, daß Jemand dieses Gewerbe betreibt, nicht abgeleitet
werden kann, daß er die Führung eines Schiffes in allen Fällen
ohne Rücksicht daraus, in welcher Gefahr sich das Schiss befindet
und welcher Gefahr er selbst sich aussetzt, gegen Vergütung von
Lootsgeld übernehmen müsse, eine solche Vorschrift auch weder im
allgem. d. H.-G.-B. sich findet, noch in England für Rechtens ge-
halten wird —
vgl. über das engl. Recht Maclachlan, S. 261 u. 526—;
da es auch irrelevant ist, ob, als die Kläger an Bord des
„Paraguay" kamen, Einer von ihnen auf die Frage des Capitän
Carter, ob er Lootse sei, bejahend geantwortet hat, indem der Kläger
die Frage sehr wohl dahin verstehen konnte, ob er aus dem Lootsen
von Schiffen ein Gewerbe mache unb daher die Sachkunde eines
Lootsen besitze und es jedenfalls dem Capitän obgelegen hätte, sich
deutlicher auszudrücken, wenn derselbe von den Klägern erfahren
wollte, ob sie in Folge obrigkeitlicher Anordnung verpflichtet seien,

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