Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

Bezirk d. O.-A.-G. zu Lübeck. Zu Art. 617, Abs. 2. 618.619.880.881. 427
und daselbst, weil beim Weitertransport ein fernerer Verderb zu
befürchten stand, verkauft wurden;
da nun nach bisherigem hiesigen Rechte dem Schiffer für
solche im Nothhafen verkaufte Güter nur ein Anspruch aus Fracht
pro rata itineris zustand, wie das unter Bestätigung des Ober-
gerichts vom Hairdelsgerichte im Erkenntnisse erster Kammer vom
3. Septbr. 1863 in Sachen Dris. Brandis mand. nom. C. H.
Donner c. I. W. Duncker in Vollmacht re. ausgesprochen worden ist;
da das seitdem eingeführte allgemeine d. H.-G.-B. eine ent-
gegengesetzte ausdrückliche Bestimmung nicht enthält;
da auch die von den Beklagten angezogenen Artikel 618 und
619 nichts enthalten, was die hiesigen Gerichte zwingen könnte,
von ihrer bisherigen Rechtsanschauung abzugehen, indem nach kauf-
männischer Ansicht zu den durch irgend einen Unfall auf der Reise ,
verlorenen Gütern auch diejenigen zu zählen sind, welche unter-
wegs durch Seeunfälle in einen solchen Zustand gerathen sind,
daß ihr Weitertransport nach vernünftigem Ermessen unterlassen
werden müßte und dieser Auffassung der Inhalt des Art. 619 zur
Seite steht, weil aus dem Anfänge desselben folgt, daß in der
Regel für nicht abgelieferte Güter auch keine Fracht gefordert
werden kann und weil, hätten die Gesetzgeber für unterwegs wegen
Seebeschädigung verkaufte und also im Bestimmungsorte nicht ab-
gelieferte Güter den Destinatär trotzdem zur Frachtzahlung ver-
pflichtet haben wollen, dieser Fall gewiß unter den Ausnahmen
mit aufgeführt sein würde;
da somit der Verfrachter für die ausweise der Dispache und
deren Anlagen in St. Vincent leer, also mit verlorenem Inhalte
gelandeten Fässer überhaupt gar keine Fracht von den Destinatairen
zu fordern hatte, für die übrigen 67 Fässer Zucker, welche be-
schädigt gelandet worden, aber nur die geringe Distanzfracht und
also die Beklagten als Frachtversicherer der Rhederei die verlorene
Fracht zu ersetzen haben werden:
daß Beklagte, unter Compensation der Proceßkosten, für
schuldig zu erklären, den Klägern die Fracht auf die leer in
St. Vincent gelandeten 17 Fässer Zucker ganz und die Fracht
auf die dort beschädigt gelandeten 67 Fässer, abzüglich der
Distanzfracht von Georgetown nach St. Vincent zu bezahlen.

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