Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

378 Bezirk des O.-A.-Genchts zu Lübeck. Zu Art. 361 ff. 376.
aber ausnahmsweise eine Partie von 50 Last noch zu dem geringeren
Preise von 94 Thlr. zu haben sei; und eben dieser Umstand war
geeignet, die Kläger zum Kaufe zu animiren, wie sie denn auch in
ihrem Briefe vom 26. ausdrücklich sagen, daß sie sich durch die
Auslassungen der Beklagten über Roggen veranlaßt sähen, wieder
einen Versuch zu machen. Hätten sie gewußt, daß Beklagte, wie
sie selbst angeben und daher jedenfalls gegen sich gelten lassen
müssen, eine größere Partie St. Petersburger Juni-Roggen als
Verkaufscommissionäre an Händen hatten und davon ihnen einen
Theil Massen wollten, so würden sie — wie man als gewiß an-
nehmen darf — aus die Proposition nicht eingegangen sein. Der
Umstand, daß Beklagte in ihrer Eigenschaft als Verkaufscom-
commissionäre es angemessen fanden, jetzt zu 94 Thlr. loszuschlagen,
war nicht geeignet, der angeblichen' „Ueberzeugung" derselben, daß
die Preise schnell einige Thaler in die Höhe gehen würden, bei
den Klägern Eingang zu verschaffen.
Hat aber die Voraussetzung, daß es sich um einen wirklichen,
abseiten der Beklagten zu bewirkenden Einkauf handele, einerseits
ein wesentliches Motiv zur Ertheilung des fraglichen Auftrags für
die Kläger gebildet und haben dieselben andererseits dieser ihrer
Auffassung in einer der gestellten Verkaufsbedingungen Ausdruck
verliehen, so scheint damit der Bestimmung in Al. 1 des Art. 376
des a. d. H.-G.-B.s genügt zu sein. Es würde ein Mißverständniß
dieser Bestimmung sein, wenn man ein förmliches Verbotsordern
wollte, um den Eintritt des Commissionärs als Selbstverkäufer
auszuschließen. Das Gesetz ist nur bestimmt, den nicht besonders
kundgegebenen Willen der Contrahenten zu ergänzen und tritt gegen
jede erkennbare (sei es auch nur stillschweigende) Willenserklärung
zurück.
B. Entscheidend ist jedenfalls das Schreiben der Beklagten
vom 27., mittelst dessen sie die in Art. 361 des H.-G.-B.s vor-
eschriebene Anzeige über die von ihnen bewirkte Aus-
führung des Auftrags erstattet haben.
1. Dieses Schreiben läßt, seinem ganzen Inhalte nach und
in Beihalt der demselben beigefügten Schloßnoten-Copie, kein anderes
Verständniß zu, als daß Beklagte, nachdem sie den klägerischen
Brief vom 26. März erhalten, zum Einkäufe der 50 Last von

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