Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

Herzogthum Braunschweig. Art. 337. 338. 291
in dieser Allgemeinheit schwerlich zu billigen ist, so muß noch mehr
die im handelsgerichtlichen Erkenntnisse sich findende entgegengesetzte
Annahme, wonach auf das mit angebene Quantum überall nichts
ankommen soll, wenn nicht der Käufer ein imputables Verschulden
des Verkäufers bei der Arbitrirung seines Vorrathes Nachweisen
kann, nicht allein als allgemein anwendbarer Satz — wie ihn die
sent. a qua verstanden wissen will —, sondern auch in seiner
Anwendung auf den vorliegenden Fall verworfen werden.
Als allgemeiner Satz — weil es bei der Beurtheilung
eines solchen Geschäfts wesentlich auf den Willen der Contrahenten
ankommt, und dieser je nach den begleitenden Umständen bald dahin
ersichtlich sein kann, daß der nähern Bezeichnung der das Kauf-
object bildenden Waare, z. B. gerade des Restvorraths, oder nach
ihrem Aufbewahrungs-Orte rc., das Hauptgewicht beigemessen werden
muß, bald dahin, daß die noch daneben vom Verkäufer gegebene
Angabe der Quantität als Garantie derselben, mithin als wesent-
liche lex 60ntraetu8 erscheint.
Der fr. Satz ist aber ferner unrichtig in seiner Anwendung
auf den vorliegenden Fall.
Denn wenn überhaupt, wie die beiden Vorentscheidungen an-
genommen haben, über den Restvorrath des Beklagten im unge-
fähren Betrage von 50 Ctr. zwischen den Parteien gehandelt und
abgeschlossen ist, so setzt dieß nothwendiger Weise theils eine in
diesem Sinne laufende Offerte des Beklagten — welche nur ihrem
Wortlaute nach nicht zu den Acten gekommen ist —, theils einen,
auch actenmäßigen, frühern Handel der Parteien über gleichartige
Waare voraus, und wenn der Kläger, als Käufer, die Offerte
annahm, so konnte für ihn die Bezeichnung des angebotenen
Quantums als eines Restvorrathes vorzugsweise nur Bedeutung
hinsichtlich der Qualität (nämlich einer der der früher gekauften
Waare entsprechenden Qualität) der offerirten Waare haben, während
hinsichtlich der Quantität die von dem Verkäufer, wenn auch
nur ungefähr, angegebene Centnerzahl allein wesentlich und ent-
scheidend erscheinen mußte, nicht blos für den Kläger, welcher,
schon als auswärtiger Käufer, durch Besichtigung oder gar Nach-
wägung der angebotenen Waare sich von deren Quantität gar
nicht vergewissern konnte, sondern auch für den Beklagten, welcher

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