Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

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Großherzogthum Hessen. Art. 273.

Bedeutung sei, weil bis jetzt noch nicht ermittelt sei, ob dieser
Verdächtige auch der wirkliche Dieb sei, mithin noch gar nicht er-
messen werden könne, ob jenes Verhalten, dem schon an sich nur
ein adminiculirendes Gewicht beizulegen wäre, für den vorliegen-
den Diebstahl von irgend welcher Relevanz sei. Es frage sich
hiernach nur noch, ob dem Beklagten der Beweis der als relevant
bezeichneten speciellen Thatsachen oder im Allgemeinen der
Beweis seiner Einrede, daß die grobe Nachlässigkeit und Unvor-
sichtigkeit des Klägers den behaupteten Diebstahl veranlaßt oder
ermöglicht habe, nachzulassen sei? Für das Letztere spreche wohl
der Umstand, daß es dem Beklagten unbenommen bleibe, im Be-
weisverfahren noch weitere relevante Thatsachen zur Begründung
seiner Einrede anzuführen und darzuthun. Für das Erstere falle
dagegen entscheidend in's Gewicht, 'daß die bezeichneten einzelnen
Thatsachen für sich schon zur Begründung der ganzen Einrede ge-
nügten und daß jedes Hereinziehen weiterer irrelevanter Thatsachen
in das Beweisverfahren abgeschnitten werde. —■ Es wurde hiernach
dem Beklagten alternativer Beweis, wie oben angegeben, nachgelassen.
(Urtheil des Großherzogl. Oberappellationsgerichtes zu
Darmstadt vom 31. März 1868 in Sachen des Gast-
wirths S. zu Darmstadt, Beklagten, gegen F. Holt-
schneider, Geschäftsreisender zu La Chaux de fonds,
Kl., Forderung betr.)*)
Zu Art. 273.
Dienstvertrag zwischen dem Handelsherrn und Hand-
lungsgehilfen. Natur desselben als Handelsgeschäft.
Competenz der Handelsgerichte.
1) Die Annahme eines Handlungsbevollmächtigten oder Hand-
lungsgehilfen von Seiten eines Kaufmanns bildet seinerseits ein
Handelsgeschäft.

*) Vgl. noch Archiv für praktische Rechtswissenschaft, Bd. V,
Neue Folge, S. 280 rc. „Bemerkungen zu dem Rsoextum der Wirthe" von
Stadtgerichtsassessor C. Weis in Darmstadt, eine wohlgelungene Abhandlung,
welche sich an den oben mitgetheilten Rechtsstreit anschließt.

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