Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

238

Großherzogthum Hessen.

Eine dritte Beschwerde und zwar primär darüber, daß die
Klage nicht sofort als unbegründet abgewiesen und eventuell darüber,
daß dem Kläger nicht noch der erforderliche Beweis auferlegt wor-
den sei, sei in dieser ihrer doppelten Richtung unbegründet. Was
nämlich 1) die primäre Richtung dieser Beschwerde betreffe, so
stütze sie Beklagter im Wesentlichen darauf, daß Kläger schon nach
den von ihm gemachten Zugeständnissen sich seines Rechtes gegen
den Beklagten auf Haftung für den angeblichen Schaden begeben
habe. Der Kläger habe nämlich zugestanden, daß er überhaupt
und an dem hier fraglichen Abend seinen Zimmerschlüssel mit
sich geführt, den Schlüssel nicht an das Schlüsselbrett ge-
hängt oder nicht dem Beklagten oder Einem seiner dazu bestimmten
Dienstleute abgegeben habe. Hiernach habe Kläger zur Entlastung
des Beklagten die Ueberwachung seines Zimmers und seiner Effec-
ten selbst übernommen, den Beklagten zu der Annahme veranlaßt,
daß er, weil Kläger auf seinem Zimmer verweile, gar nicht in der
Lage sei, durch zeitweise Visitation eine besondere Ueberwachung des
Zimmers eintreten zu lassen; Kläger habe den Beklagten außer
Stand gesetzt zu wissen, ob Kläger zu Hause sei oder nicht und
den Beklagten seines Amtes enthoben, für die nöthige Sicherheit
des Zimmers des Klägers zu sorgen. Diesem ganzen Vorbringen
sei indessen kein Gewicht beizulegen. Unbestritten und unbestreitbar
sei, daß der Wirth stets und insbesondere, wenn der Gast sich
nicht aus seinem Zimmer befinde, für Ueberwachung des Letzteren
zu sorgen habe. Diese Verpflichtung des Wirthes beginne, sobald
derselbe das reeepturn mit dem Gaste abgeschlossen habe. Der
Umstand, daß der Gast beim Verlassen seines Zimmers, nachdem
er solches verschlossen, die Zimmerschlüssel mit sich nehme, hebe
aber selbstverständlich das Verlassensein des Zimmers, mithin auch
die Nothwendigkeit und Psticht zur Ueberwachung desselben nicht
auf und es liege w-hl sehr nahe, daß der Gast, eben weil er das-
selbe verlasse, dessen Ueberwachung nicht selbst übernehme, viel-
mehr dem Wirthe die diesem obliegende Ueberwachung belasse. So
wenig aber die Psticht des Wirthes zur Ueberwachung erst dann
beginne resp. wieder beginne, wenn resp. so oft der Gast sein
Zimmer verlasse, ebensowenig sei es eine Voraussetzung für diese
Pstichterfüllung des Wirthes, daß der Gast bei seinem Verlassen

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer