Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

Großherzogthum Baden. Art. 49. 290. 371. 15
alle gehen von der irrigen Annahme aus, daß der Kläger lediglich
Kommissionär der dritten Personen war, welche an den Beklagten
Mohnsamen verkauften, und nur zufolge dieses Commissinnsver-
hältnisses mit dem Beklagten in Verbindung getreten sei, während
in Wahrheit der Kläger von vornherein der Beauftragte des Be-
klagten war und diese Eigenschaft nie aufgab. Gleichgiltig ist im
Uebrigen, wie Kläger zu den Dritten, mit welchen er für den Be-
klagten contrahirte, sich gestellt habe, denn der Beklagte hat nir-
gends behauptet, daß dabei der Kläger seine Pstichten als Bevoll-
mächtigter des Beklagten verletzt habe. Was insbesondere das Ge-
schäft mit H. betrifft, so ist unstreitig der Abschluß vom Kläger
vermittelt worden, daher auch sein Anspruch auf Provision begründet.
Aus dem Umstande, daß die spätere Auflösung des Geschäfts etwa
durch Meinungsverschiedenheit über die vom Kläger dem Beklagten
mitgetheilte Zahlungsbedingung „paiement ä trerite jours sur
Paris“ verursacht wurde, läßt sich keine Verschuldung des Klägers
ableiten, die den Beklagten berechtigte, demselben die Provision für
dieses Geschäft zu verweigern.
„Die Höhe der Provision des Klägers ist nicht nach den
für Commissionäre oder Makler geltenden Regeln, sondern einzig
nach dem Maße der vom Kläger aufgewandten Tätig-
keit zu bestimmen. Diese war eine sehr umfangreiche, manch-
faltige, mit nicht geringer Verantwortlichkeit verbundene, denn
nicht nur hatte er die Ankäufe von Mohnsamen abzuschließen und
deshalb die Verkäufer (meist an auswärtigen Orten) aufzusuchen,
die ihm gelieferten Muster zu prüfen und weiter an den Beklagten
zu verschicken, sodann möglichst günstige Bedingungen für den Be-
klagten auszuwirken, sondern auch die Waare in Empfang zu neh-
men, sie zu bezahlen, weiter zu versenden und hierzu die Säcke zu
miethen, endlich etwaige Streitigkeiten zu vergleichen. Zu diesen
Zwecken mußte der Kläger eine sehr ausgedehnte Correspondenz
unterhalten, viele Telegramme «blassen und in Empfang nehmen,
öftere Reisen Machen. In Berücksichtigung aller dieser Umstände
und in Erwägung, daß der Comnnssionär 1 Proc. vom Werth-
betrage des abgeschlossenen Geschäfts handelsgebräuch-
lich als Gebühr anzusprechen hat und ihm dabei unverwehrt
bleibt, sich zum Abschluß eines Maklers zu bedienen , dessen Ge-

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