Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

Großherzogthum Baden. Art. 422 ff.

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verpflichtet ist, durch ihre Leute besorgen zu lassen, solches nur
aus Gefahr des Versenders bezw. Empfängers und ohne jede
daraus herzuleitende Verbindlichkeit für die Verwaltung geschehe,
geht offenbar diese Bestimmung über die Befugnisse der
Reglementirung nach Art. 423, 424 hinaus und muß, da
sie ohnehin auch gegen die Grundsätze der civilrechtlichen Haftung
(L.-R., S. 1384) verstößt, ohne rechtliche Wirkung bleiben, fo daß
also eine Umladung durch das Eisenbahnperfonal die Wirkung des
Art. 424, 3 paralhsiren würde.
„Daß freilich insbesondere die Haftung für Diebstahl
durch Dritte im Falle dieses Nachweises ausgeschlossen würde, ist
für den Fall des Art. 424, 1 nicht einmal absolut anerkannt,
Koch, das Frachtgeschäft der Eisenbahnen, S. 104, Note 2;
und für Art. 424, 3 liegt auf der Hand, daß eigentlich nur die mit
dem Auf- und Abladen als solchem verbundene Gefahr gemeint
ist, zu welcher der erst nach Uebernahme der Waare durch die
Eisenbahnverwaltung erfolgte Diebstahl nicht gehört,
Koch, a. a. O.? S. 105—106;
allein immerhin gestaltet sich, wenn diese Transportart ausdrück-
lich vereinbart wurde und stattfand, das Verhältniß fo, daß dann
Kläger das Abhandenkommen der Säcke als durch die Bahnver-
waltungen oder ihre Leute verschuldet beweisen muß.-
„Der Beweis der Verladung der bezeichneten Partien wurde
in rechtsgenügender Weise durch Vorlage der Frachtbriefe geführt.
Diese Frachtbriefe wurden vom beklagtifchen Vertreter als ächt an-
erkannt und, wenn derselbe auch dieser Anerkennung eine Beschrän-
kung bezüglich der nachträglichen Bemerkungen aus diesen Fracht-
briefen beifügte, fo kommt es auf solche nicht an, weil jedenfalls
die Bezeichnung der Säckezahl und die Abstempelung dem ursprüng-
lichen Inhalt der Frachtbriefe angehört. Wenn zur Entkräftung
dieser Beweisführung der Beklagte behauptete, es handle sich hier
um Waaren, welche zu niederen Frachtsätzen befördert werden, um
Wagenladungsgüter, welche der Natur der Sache nach von
der Bahn nicht stückweise, sondern nur als Ganzes, als Wagen-
ladung angenommen werden, so ergibt sich in den vorgelegten
Frachtbriefen gerade das Gegentheil. Dieselben stellen nicht etwa
einen Frachtvertrag dar, wodurch der Wagen Nr. rc. zur Beför-

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