Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

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Großherzogthum Baden. Art. 422 ff.

führers anerkannte, zu betrachten, denn Sache des Letztem wäre
es, mangelhaft verpackte Waare nicht zu übernehmen oder doch sich
gegen daraus entspringenden Schaden sicher zu stellen. (Koch,
Eisenbahnrecht, Thl. II, S. 132, Note 3.) Diesem Grundsätze ent-
spricht auch die Bestimmung des Art. 424, Ziff. 2 und die hier-
mit im Einklang stehenden §§ 2 u. 22, Ziff. 3 des Reglements
vom 19. Decbr. 1862*), weshalb die Gegenbeweisantretung des
Beklagten als unerheblich wegfällt. Aber abgesehen hiervon geht
aus den Aussagen der einvernommenen Zeugen hervor, daß auch
ohne die von dem Beklagten als nöthig bezeichnete Umwickelung
die Waare unversehrt hätte ankommen können, wenn sie sorgfältig
verladen gewesen wäre, wie dieß bei den andern gut verladenen
Waggons der Fall war. Als -bewiesen ist vielmehr zu erachten,
daß die Beschädigung lediglich Folge der schlechten Verladung in
die Eisenbahnwagen war, sowie auch, daß wirklich 12 Röhren —
9 mit Riß, 3 mit Bruch — beschädigt waren. Daß aber der
Frachtführer, insbesondere die Eisenbahnverwaltung, für jeden
Schaden aus einem fehlerhaften Verladen insbesondere dann zu
haften hat, wenn die Verladung durch die von derselben
angestellten Personen stattsand, unterliegt nach allgemeinen
Grundsätzen, sowie nach den Bestimmungen der Art. 395. 421.
424 (am Schlüsse) keinem Zweifel, es müßten denn besondere
Gründe im einzelnen Falle vorliegen, welche diese Haftpflicht aus-
schließen. Solche Gründe glaubt Beklagter hier aus den Bestim-

*) Nach § 2 ist die Eisenbahn nicht verpflichtet,Mut zum Transport zu
übernehmen, welches nach ihrem Ermessen nicht zweckmäßig oder welches gar
nicht verpackt ist, ungeachtet seine Natur nach dem Ermessen der Eisenbahn
eine Verpackung zum Schutze gegen Verlust oder Beschädigung erfordert. Der-
gleichen Gut kann ausnahmsweise befördert werden, wenn der Absender das
Fehlen oder den mangelhaften Zustand der Verpackung durch eine mit
feiner Unterschrift versehene, auf dem Frachtbrief zu wieder-
holende Erklärung anerkennt. — Nach § 22, Ziff. 3 haftet die
Eisenbahn in Ansehung derjenigen Güter, welche, ungeachtet ihre Natur eine
Verpackung zum Schutze gegen Verlust oder Beschädigung auf dem Transport
erfordert, nach Erklärung des Absenders auf dem Frachtbriefe unverpackt oder
mit mangelhafter Verpackung aufgegeben worden sind, nicht für den Schaden,
welcher aus der mit dem Mangel der Verpackung oder mit der mangelhaften
Beschaffenheit der Verpackung verbundenen Gefahr entstanden ist.

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