Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

194 Großherzogthum Baden. Art. 396—398. 401. 313. 409.
der Umstand, welche Stellung der Obmann der Sackträger ein-
nimmt, denn dieser hatte nur die Aufgabe, einen dem Beklagten
zugewiesenen Wagen zu entladen, und konnte die Aufklärung einer
stattgehabten Verwechslung, auch wenn er solche entdeckte, ruhig
dem Adressaten überlassen; selbst wenn er aber hierbei eine An-
zeigepflicht verletzt hätte, könnte solches den Beklagten nicht excul-
piren. Beklagter berief sich zum Nachweis der bona fides daraus,
daß sein Spediteur L. ihm am 13. Septbr. auch zwei Ladungen
Weizen avisirt habe und legte einen Brief dieses Datums vor,
welcher 10 Sendungen Weizen und eine Sendung Gerste avisirt.
Allein abgesehen davon, daß die Echtheit des Briefes nicht an-
erkannt ist und derselbe von Versendungen unterm 10. und 11. Sep-
tember spricht, während die Gerste erst am 22. Septbr. Wien
verließ, kann aus dem gleichzeitigen Avis von Weizen der gute
Glaube K's. nicht erstellt werden. K. mußte sich sagen, daß nicht
blos ein Schreibversehen des Spediteurs unterlaufen sein könne,
da, wenn auch die Säckezahl die gleiche war, ein Gewichtsunter-
schied von 77 Ctrn. und ein Frachtunterschied von etwa 100 Fl.
vorlag. Hiernach wär? es jedenfalls seine Psticht gewesen, von
der stattgehabten Verwechslung alsbald der Bahnverwaltung oder
doch dem Spediteur Nachricht zu geben; er hat aber keineswegs
behauptet, dieß gethan zu haben, und für die stattgehabte Unter-
lassung dieser Anzeige spricht der Umstand, daß er sonst nicht erst
nach mehreren Monaten als Adressat der in Heilbronn unverzüg-
lich zur Verfügung gestellten Gerste ermittelt worden wäre. Die
Unterlassung dieser Anzeige, verbunden mit der sofortigen Ver-
fügung über die Waare, erscheint aber mindestens als eine grobe
Nachlässigkeit, wenn nicht vollständig als Arglist. Nun bestimmt
zwar das Landrecht, Satz 1148 a, daß die Entfchüdigungsklage nicht
stattfinde wegen eines Schadens oder einer Schadensvergrößerung,
welche aus einer zu dem Versehen des Schuldners hinzugekom-
menen Verschuldung des Gläubigers entstand; allein wenn auch
das Gesetz die Wettschlagung von Schuld gegen Schuld annimmt,
so tritt solche doch nur bei verhältnißmäßig gleicher Verschuldung
ein; wer sich aber eine an äo1u8 grenzende culpa lala zu Schul-
den kommen läßt, kann sich nicht auf eine an casus streifende
culpa levissima des Gegners berufen. Die Verwechslung der

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