Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

192 Großherzogchum Baden. ' Art. 396—398. 401. 313. 409.
gleiche Zeit zu Wien der Wagen Nr. 4552 der bairischen Staats-
bahn mit 100 Säcken Gerste an L. Kirschbaum in Mannheim
verladen und abgesandt. Als aber U. u. Co. die Ladung des
ihnen zugekommenen Waggons besahen, fanden sie statt des im
Frachtbrief bezeichneten Waizens Gerste vor; sie weigerten die An-
nahme und da der Verblieb des Waizens nicht ermittelt wurde,
nahmen sie ihren Rückgriff auf die würtembergische Eisenbahnver-
waltung, welche ihnen den Werth des Waizens und der Säcke mit
1850 Fl. und weiteren 26 Fl. 40 Kr., abzüglich der Fracht mit
323 Fl. 14 Kr., welche U. u. Co. zu zahlen gehabt hätten, also
restlich 1553 Fl. 26 Kr. sowie Zwischenzinsen im Betrage von
23 Fl. 30 Kr. ausbezahlte. Erst mehrere Monate später wurde
ermittelt, daß der Waizen an Kirschbaum gelangt und von diesem
weiter veräußert worden war. Die würtembergische Eisenbahn
nahm ihren Rückgriff auf die badische Staatsbahn; zwischen Letz-
terer und Kirschbaum entstand dann ein Rechtsstreit, dessen ein-
zelne Punkte aus nachfolgenden Entscheidungsgründen ersehen
werden können:
Beklagter gestand zu, daß er, nachdem ihm am 29. Septbr.
ein Frachtbrief vom 22. Septbr. über 100 Sack Gerste im Ge-
wichte von 123 Ctr., ausgestellt von Spediteur Löwenthal in
Wien an seine Adresse, zugekommen und er den Betrag der Fracht
mit 238 Fl. 17 Kr. bezahlt hatte, dem Wagen Nr. 4552, welche
Nummer der Frachtbrief erwähnte, 100 Sack Waizen im Gewichte
von 19,705 Psd. entnehmen ließ, ohne der hiesigen Bahnverwal-
tung anzuzeigen, daß ihm eine andere als die im Frachtbrief be-
zeichnete Waare zugegangen sei und daß er diesen Waizen am 4.
und 5. October in zwei Abtheilungen weiter verkaufte. Der kla-
gende Fiscus trug vor, daß unterwegs die beiden Wagen Nr. 4552
der österreichischen Staatseisenbahngesellschaft und der bairischen
Staatsbahn verwechselt worden seien und die Gerste mit dem auf
Waizen lautenden Frachtbrief nach Heilbronn, der Weizen mit
dem auf Gerste gestellten Frachtbrief nach Mannheim gelaufen sei,
daß die würtembergische Eisenbahnverwaltung nach Art. 396 ihre
Ersatzpflicht gegen U. u. Co. unbedingt anerkannt und diesen
1576 Fl. 56 Kr. bezahlt, dann aber für diese Summe und die
Waizenfracht mit 323 Fl. 14 Kr. Ersatz vom badischen Fiscus er-

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