Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

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Großherzogthum Baden. Art. 390 ff.

Verhältnisses hervorheben, daß ihnen allein darum zu thun war,
möglichst schnell durch Klos mit Ditsch zu einem Schlüsse zu ge-
langen und daß sie nicht daran dachten, die Vollmacht des Klos
anders, als schon bemerkt, zu beschränken.
Dieß erleidet, den Beweis vorausgesetzt, nur zusolge der Be-
hauptung der Beklagten eine Ausnahme, daß sie den fraglichen
Auftrag mit dem Zusatze ertheilten, daß sie längstens am
andern Morgen früh Bescheid haben müßten, während her-
gestellt ist, daß Klos erst am Nachmittage des 28. Januar
ihnen Nachricht von der Annahme des Ditsch gab. Der Ausdruck
„Morgen früh" ist gleichbedeutend mit Vormittag und begreift
sonach die Zeit von Mitternacht bis Mittag 12 Uhr. Dieß ist
selbstverständlich hinsichtlich des Wortes „Morgen," da dasselbe in
der Verbindung „am andern Morgen" gebraucht wurde, wird aber
auch nicht durch den Beisatz „früh" geändert, einmal, weil dieselbe
zu unbestimmt ist und es Sache der Beklagten gewesen wäre, wenn
sie aus gewisse Stunden absehen, dieß unzweideutig auszudrücken,
sodann, weil die Beklagten mit dem Auftrag zum Abschluß „am
andern Morgen früh" immerhin die dazu nöthige Zeit verwilligten
und nach den Umständen kaum weniger als den nächsten Vor-
mittag einräumen konnten. In Beziehung auf den Umfang des
fraglichen Auftrags enthält jener Zusatz eine wirkliche Beschrän-
kung der dem Klos ertheilten Vollmacht in der Richtung, daß die
Beklagten kein Vertragsabschluß mit Ditsch binde, der ihnen nicht
rechtzeitig — am andern Morgen früh. —■ angezeigt werde. Klos
konnte demnach nur abschließen, wenn ihm überhaupt der Abschluß
am nächsten Morgen gelang, und nur unter der Bedingung, daß
er auch am andern Morgen den Beklagten den Abschluß anzeige.
Die Zulässigkeit einer solchen Beschränkung des Auftrags kann
nicht zweifelhaft sein; die Beklagten schlossen damit ihre eigene
Haftbarkeit für eine etwa durch Zufall oder Nachlässigkeit ver-
spätete Meldung des Abschlusses aus, und überwälzten sie ihnen
gegenüber auf Ditsch, der allerdings seinerseits sich wieder an
Schiffsbestätter Nick halten kann, wenn und inwieweit dieser oder
dessen Bedienstete ihm über die Grenzen ihrer Vollmacht nicht hin-
länglich Kenntniß gegeben oder nach dem Abschluß die Anzeige an
die Beklagten schuldhaft verzögert haben. L.-R., S. 1997 ff.

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