Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

Großherzogthum Baden. Art. 347.

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eine unbeschränkte Annahme der Waare enthält und Kläger
keine mit seinen eigenen Worten und Handlungen im Widerspruch
stehende Absicht geltend zu machen vermag."
„Vergebens hat Kläger versucht, der mit fraglichem Briefe
erfolgten Genehmigung der Waare die rechtliche Wirksamkeit durch
die Behauptung eines dabei unterlaufenen Irrthums zu benehmen,
denn ein solcher wäre jedenfalls kein unverschuldeter gewesen, da
nichts entgegenstand, daß Kläger die Prüfung der Cigarren, wenn
er sie erst spät am Abende erhalten hatte, auf den andern Tag
verschob, übrigens, wie rücksichtlich der Facon, so sicher auch bezüg-
lich des Inhalts die Cigarren noch am Abende untersucht werden
konnten, zumal das Urtheil über den Inhalt nicht, wie das über
die Form, nur auf die äußerliche Besichtigung, sondern auch auf
andere Merkmale sich gründet, zu deren Erprobung und Erkenntniß
es weniger des vollen Tageslichts bedarf, wie Brand, Geschmack
der Cigarren u. dgl. Kläger war als Sachverständiger in der Lage
die vollkommene Untersuchung der Cigarren vornehmen zu können
und hatte als Kaufmann genaue Kenntniß von der Bedeutung
seiner Erklärung vom 11. August."
„Endlich fällt auch dem Beklagten nicht etwa eine Täuschung
des Klägers, ein Betrug in der Richtung zur Last, daß er ge-
fährdevoll, sonach absichtlich dem Vertrage zuwiderhandelnd, mit
dem Bewußtsein des Unrechtthuns und in unredlicher Absicht dem
Kläger Cigarren von anderem als 1866er Taback geliefert hätte.
Kläger behauptet zwar, am 27. Juli sei ausdrücklich verabredet
worden, daß die Cigarren aus 1866er Taback fabricirt werden, er
selbst führt aber weithin und zwar zur Begründung seines Schadens-
anspruches aus, daß Cigarren aus 1866er Taback Ende Juli und
im ganzen Monat August nicht blos 5 Fl. 45 Kr., sondern 7 Fl.
30 Kr., sonach 1 Fl. 45 Kr. per Mille mehr werth waren, als
zwischen den Parteien als Kaufpreis festgesetzt worden war. Bringt
man nun in Erwägung, daß Beklagter Cigarrenfabrikant ist und
als solcher genaue Kenntniß von der Qualität und dem Werthe
des 1866er Tabacks hat, wie namentlich auch dadurch bestätigt
hat, daß außer den hier in Frage stehenden 100 Mille Beklagter
dem Kläger weitere 15000 Stück geliefert hat, welche nach seiner
vom Kläger nicht widersprochenen Behauptung von gleichem (1867er)

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