Full text: Volume (Bd. 19 (1870))

Großherzogthum Baden. Art. 346.

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beanstandeten zusende. Jeder Theil gibt ein zwar angesprochenes,
aber zur Zeit noch ungewisses Recht auf, der Verkäufer, daß der
Käufer die Waare behalte und bezahle, der Käufer, daß ihm der
Verkäufer andere Waare liefere. In Wahrheit schließt also die
Vertragsauflösung einen Vergleich ein, daraus beruhend, daß es
gegen die Billigkeit verstößt, daß ohne neue Beredung einerseits
dein Käufer zugemuthet werde, daß er von dem Verkäufer, der
mit der ersten Waarensendung des Käufers Vertrauen getäuscht
hat, eine andere Waare annehme, anderseits dem Verkäufer, der
meist beträchtlichen Schaden auf den Preis der beanstandeten Waare
und durch Unkosten erlitten hat, daß er dem Käufer, dessen Zu-
friedenheit mit der ersten Waare er nicht hat erlangen können,
eine andere Waare liefere und so neuer Beanstandung sich ausfetze.
Dem Kläger konnte dieser Handelsgebrauch nicht unbekannt
fein, denn er erhellt aus der Natur des geschäftlichen Verkehrs
und Kläger ist ein erfahrener Kaufmann, wie trotz des Wider-
spruchs des klägerischen Anwalts daraus hervorgeht, daß Kläger,
der „Besitzer einer ausgedehnten Brauerei in Riegel" ist, nach der
vorgelegten Correspondenz, deren Form zugleich die kaufmännische
Gewandtheit der Klägers darthut, in ausgedehntem geschäftlichem
Verkehre mit dem Auslande steht und mit den Nachtheilen, welche
dem Verkäufer zufolge einer Beanstandung der von ihm versandten
Waare erwachsen, wohl bekannt ist. (Vgl. insbesondere seinen Brief
vom 22. October, wornach er im vergangenen Sommer % feines
Lagerbieres nach Paris geliefert hat und worin er auf den großen
Nachtheil hinweist, der ihm entsteht, wenn nur eine einzige Sendung
zur Verfügung gestellt wird.)
Ungeachtet seiner Kenntnis; mit den Handelsgebräuchen hat
jedoch der Kläger bis zum 8. März weder brieflich noch persönlich
die Lieferung anderer Gerste von dem Beklagten verlangt. Zwar
behauptet er, im December durch Woog von Markolsheim dem Be-
klagten haben sagen zu lassen, er erwarte die Frucht und zwar
schöne Frucht, woraus Woog ihm die Antwort bestellt habe, er solle
nur selbst nach Mannheim kommen und die Gerste am Platze aus-
lesen, damit nicht wieder Unannehmlichkeiten vorkämen, aber ab-
gesehen davon, daß vom October bis December bereits zwei Monate
verlaufen waren und daß sodann vom Dezember bis 8. März wieder
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. XIX. 10

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