Full text: Volume (Bd. 9 (1866))

432 Handelsr. Entscheidungen aus verschiedenen deutsch. Staaten.
Begründung seines den beschränkenden Normalsatz überschreitenden
Schadenanspruchs geltend macht, zu erweisen.
Dieß ist auch in dem von dem Leuteranten Bl. — angezogenen
Falle von der gegenwärtigen Instanz ausdrücklich ausgesprochen wor-
den. Das angezogene Erkenntniß berührt nur zugleich die weitere
Frage, ob und inwieweit die Natur einer vorhandenen Beschränkung
unter Umständen geeignet sein könne, das Erbringen dieses Nach-
weises zu erleichtern, beziehentlich eine factische Präsumtion für das
Vorhandensein einer Verschuldung zu begründen. Dabei mag jedoch
noch darauf aufmerksam gemacht werden, daß es sich in jenem Falle,
abweichend von dem hier vorliegenden, erstens nicht um einen par-
tiellen Verlust, sondern um eine Beschädigung des Frachtgutes
gehandelt hat, und daß zweitens auf die Art und Weise der letzte-
ren um so gewisser ein häuptsächliches Gewicht nicht zu legen war,
als nicht ein unter die Bestimmung im Art. 427, 1, sondern ein
unter die Vorschrift im Art. 424,4 fallender Vorbehalt in Frage war.
Zwischen beiden Fällen besteht aber nach den angezogenen Gesetzes-
vorschriften der wesentliche Unterschied, daß während in Fällen der
zuletzt gedachten Art den Directorien der Eisenbahnen das Recht
eingeräumt ist, den Ersatzbetrag auf einen im Voraus bestimmten
Normalsatz zu beschränken, in er st e re n selbigen das Befugniß zu-
gestanden wird, sich jeder Haftverbindlichkeit, aber auch nur in
Betreff solcher Schäden, welche aus der dem Frachtgute vermöge
seiner eigenthümlichen Beschaffenheit drohenden Gefahr entstanden
sind, zu entschlagen, und daß dieselben andererseits, während sie dort
nur für bösliche Handlungsweise (für dolus und, in einem gewissen
Sinne wenigstens, für culpa lata) zu haften haben, hier nach dem
Schlußsatz im Art. 424 für jedes Verschulden der Bahnver-
waltung oder ihrer Leute einzustehen verbunden sind.
In dem vorliegenden Falle genügt zu Widerlegung der von
dem Leuteranten aus der Natur des vorhandenen Verlustes auf das
Vorhandensein eines dolus oder culpa lata auf Seiten der betref-
fenden Bahnverwaltungen gezogenen Schlußfolgerung der Hinweis
auf den erfahrungsmäßig feststehenden Satz, daß zur Zeit noch keine
Vorsichtsmaßregel erfunden worden ist, welche einen absoluten Schutz
gegen das Abhandenkommen darzubieten geeignet wären.

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