Full text: Volume (Bd. 9 (1866))

Königreich Sachsen.

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Verletzte den Einkaufspreis, sogar unter Umständen mit Hinzurech-
nung des darauf bezahlten Frachtlohnes, zu fordern befugt sein könne.
Denn wenn daselbst bestimmt wird, daß bei der Berechnung des
Schadens nur der gemeine Handelswerth zu Grunde zu legen sei,
welchen Gut derselben Art und Beschaffenheit am Orte der Abliefe-
rung zu der Zeit hatte, in welcher das Gut abzuliefern war, so hat
damit zunächst nur bestimmt werden sollen, daß der Frachtführer
nicht verpflichtet sei, dem Absender und beziehungsweise dem Empfän-
ger den entgangenen Gewinn oder das individuelle Interesse zu ver-
güten. Dagegen enthält das Gesetz über die Art und Weise, wie
solchenfalls die Ermittelung des gemeinen Handelswerthes, die
aestimatio rei, zu verfolgen habe, keine Vorschrift. Schon die
Rücksicht darauf, daß im Zweifel nicht angenommen werden darf,
der Kaufmann werde für die Maare ein Mehreres, als den gemeinen
Handelswerth, und in Fällen des Distance- Handels ein Mehreres
als die Maare unter Hinzurechnung der Transportkosten an dem
Bestimmungsort wirklich werth sei, bezahlt haben, rechtfertigt nun
aber der Regel nach die Folgerung, daß im Verkehre der Kaufleute
der wirklich bezahlte Kaufpreis beziehentlich unter Hinzurechnung des
Frachtlohnes demjenigen gemeinen Handelswerthe gleichkomme, wel-
chen das Gut am Orte und zur Zeit der Ablieferung gehabt haben
würde.

II. Zum Rechtsmittel Klägers.
Klägers Beschwerden sind ihrer Fassung nach dawider gerichtet,
daß dem Beklagten der Beweis der beiden Bl. — unter 2 u. 3
vorgeschützten Einreden nachgelassen worden ist rc. Ebenso zweifellos
erscheint aber auch die Beurtheilung, welche dem Einwande sab 3
zu Theil geworden ist.
Der letzte Absatz im Art. 427 bestimmt, daß im Falle einer
böslichen Handlungsweise (worunter nach Befinden auch eine gröbliche
Verschuldung zu verstehen ist) die in dem vorausgeheyden Ab-
schnitte desselben Artikels den Eisenbahnen zugestandene Beschränkung
der Haftpflicht auf einen Normalsatz nicht geltend gemacht werden
könne. Die Existenz einer solchen böslichen Handlungsweise ist
quaestio facti und somit von dem, welcher deren Vorhandensein zu

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