Full text: Volume (Bd. 9 (1866))

Königreich Sachsen.

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geeignete Thatsache hätte aber in alle Wege, wenn sie als Grundlage
einer sicheren Schlußfolgerung dienen sollte, dargethan werden müssen.
Eine f a c t i s ch e Präsumtion kann weder f ü r, noch g e g e n die Gleich-
artigkeit statuirt werden, weil es gänzlich an dem Nachweise von
Thatsachen gebricht, welche dieselbe begründen könnten. Es kommt
aber auch noch ein anderer Grund hinzu. Gesetzt, es wäre jener
ganze Vorrath von Rio-Kaffee im Allgemeinen von gleicher Be-
schaffenheit, z. B. von derselben Plantage oder der nämlichen Jahres-
ernte, gewesen, so liegt es doch in der Natur der Sache, daß zumal
bei einer größeren Quantität Kaffee die einzelnen Bohnen ihrer
Farbe, ihrem äußeren Ansehen und ihrer inneren Beschaffenheit nach
nicht durchweg gleich, sondern verschieden, theils mehr, theils minder
gut sind. Nächst der Gattung und Gleichmäßigkeit der Farbe ist es
also namentlich auch das Verhältniß, in welchem die Zahl der gerin-
geren zu den besseren Bohnen steht, durch welches sich die Qualität
der Waare im Ganzen bestimmt. Es bedarf keiner besonderen
Fachkenntnisse, um zu wissen, daß, wenn von einer großen Quantität
Kaffee, mag nun dieselbe in Ballen oder Säcken verpackt, oder, wie
kaum zu präsumiren wäre, in unverpacktem Zustande aufgespeichert
gewesen sein, eine kleine Partie Bohnen, sei es auch auf das Gerathe-
wohl als Probe herausgenommen wird, diese Probe sich in den oben
bemerkten Beziehungen anders gestalten und eine andere Qualität
der Waare indiciren kann, als die ist, welche die letztere in einem grö-
ßeren von demselben Vorrathe herrührenden Quantum besitzt. Der
Beklagte hatte ein Recht, zu verlangen, daß die behandelte Quantität
Kaffee im Ganzen so aussiel, wie sie nach der Probe ausfallen mußte,
und diesem Rechte wird dadurch allein nicht genügt, daß der Ver-
käufer beweist, daß die Waare von demselben Vorrath entnommen
worden ist, von dem auch die Probe herrührt.
Heise und Cropp, Abhandlungen, Bd. I, S. 219. 220.
Der besondere Nachweis, daß die Waare der dem Beklagten
vorgewiesenen Probe gemäß sei, konnte mithin den Klägern nicht
erspart werden, und wenn man selbst zugeben könnte, daß nach der
Argumentation der ersten Instanz eine gewisse factische Wahrschein-
lichkeit dafür obwalte, daß die gelieferten zehn Ballen der Probe
objectiv entsprochen hätten, so würde der Klage damit immer nicht
aufgeholfen werden, weil dieselbe im Hauptwerke auf den Eid
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. IX. 27

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