Full text: Volume (Bd. 9 (1866))

406 Handelsr. Entscheidungen aus verschiedenen deutsch. Staaten.
Dagegen will nun Kläger, nach seinen Ausführungen Bl. — das
stattgehabte Rechtsgeschäft nach den Grundsätzen über den Kauf be-
urtheilt und dabei die 10 Stück Coupons als einen Gegenstand be-
trachtet sehen, welcher nach der Intention der Contrahenten vom
Beklagten habe gewährt werden sollen, in der That aber, mit Rück-
sicht darauf, daß die Einlösung der Coupons unterblieben, von ihm
nicht gewährt worden sei. — Hiernach gewinnt es den Anschein, als
wolle Kläger für sich die Consequenzen einer anderen, insbesondere von
von Savignh, Obligationsrecht, II, 18 flg. 88—186.
vertheidigten Theorie geltend machen, nach welcher auf die Lehre von
den. Jnhaberpapieren die Grundsätze des Sachenrechtes angewendet
und die Uebertragung eines Jnhaberpapieres mittelst Rechtsgeschäfts
als die Uebertragung des Eigenthums an einer Sache — nämlich
an der betreffenden Urkunde, als Sache betrachtet — angesehen
wird. Aber auch aus diesem Gesichtspunkte würde doch zu einer
dem Kläger günstigen Entscheidung nicht zu gelangen sein. Daß
nämlich das gewollte Kaufsobject, die 10 Stück Zinscoupons, vom
Beklagten wirklich gewährt worden seien, läßt sich füglich nicht in
Abrede stellen.
Die auf die Werthlosigkeit derselben gerichtete Behauptung des
Klägers läßt sich daher nicht aus die Existenz des Kaufgegenstandes,
sondern nur auf dessen Beschaffenheit beziehen. Daß Beklagter
wegen derselben eine ausdrückliche Gewährleistung übernommen habe,
hat Kläger nicht behauptet. Es kommt nun aber in Betracht, daß
Letzterer einen Gegenstand kaufte, wegen dessen ihm, bei seiner Stel-
lung als Cassirer eines Banquiergeschäfts, sachverständige Kennt-
niß beiwohnte, oder doch füglich zugetraut werden durfte. Auch gibt
sein eigenes Anführen an die Hand, daß es ihm ein Leichtes gewesen
wäre, darüber, welche Bewandtniß es mit den fraglichen Coupons
habe, wenn er selbst darüber in Ungewißheit war, sich durch die
Nachfrage bei dem Bl. — genannten Geschäftsprincipale sofort, und
ehe er den Kauf abschloß, Aufklärung zu verschaffen. Es greift also
nunmehr der allgemeine Grundsatz Platz, daß Einwendungen gegen
ein abgeschlossenes Kaussgeschäft wegen der Beschaffenheit des Kaufs-
gegenstandes von dem Käufer mit Erfolge nicht weiter erhoben wer-
den können, wenn derselbe in der Lage war, die Beschaffenheit des
Kaufsobjects vor oder bei dem Kaufsabschlusse selbst ohne Weiteres

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