Full text: Volume (Bd. 9 (1866))

276 Handelsr. Entscheidungen aus verschiedenen deutsch. Staaten.

klagten, und diese Art der Beweisführung muß zunächst rechtlich für
durchaus zulässig erachtet werden.
Der in Rede stehende Frachtbrief ist als ein Ladeschein im
Sinne des Art. 414 des H.-G.-B. anzusehen, indem derselbe alle
dort angegebenen Erfordernisse eines Ladescheines, inbesondere auch
die Unterschrift des Frachtführers enthält.*) Ist der oben angegebene
Vermerk auf diesem Ladeschein in der That von dem Verklagten ge-
schrieben worden, so ist dadurch unbedingt die Uebergabe der Kahn-
ladung an den Letzteren vollständig erfolgt. Durch den Ladeschein
wird der Frachtführer zur Auslieferung des geladenen Gutes und
zwar an diejenige Person verpflichtet, welche sich nach Inhalt des
Ladescheins, resp. durch ein darauf befindliches Indossament als Em-
pfänger legitimirt. Die als Empfänger bezeichnete Person übt selbst-
redend den Naturalbesitz an der geladenen Waare nicht aus. Es
thut dieß vielmehr für sie und in ihrem Namen der Frachtführer,
welcher die Gewahrsam hat und nach Inhalt des Ladescheins von
dem Absender angewiesen ist, die Waare dem Empfänger auszu-
liefern. Deßhalb muß mit Rücksicht auf den § 66, Th eil I, Titel 7
allg. Landrechts die Uebergabe an den Empfänger als erfolgt gelten,
sobald die Waare dem Spediteur resp. einer anderen derartigen
Person übergeben und von Seiten des Absenders nicht gegen die
gegebenen Vorschriften über die Art der Transportmittel gehandelt
ist (efr. Art. 344 und 345 des H.-G.-B.; § 128, Theil I, Titel 1k
allg. Landrechts). Zur Ausübung seiner hieraus resultirenden
Rechte ist aber der Empfänger nur gegen VoHeigung des Ladescheins,
sofern er darin als solcher bezeichnet ist, berechtigt; und derjenige,
welchem diese Rechte übertragen worden, tritt vollständig an die
Stelle**) des zuerst als Empfänger bezeichneten;. d. h. also, der
*) Bezüglich der Erforderniß der Unterschrift des Absenders vergl. Erk. des
Obertribunals v. 13. Sept. 1864, Striethorst, Archiv, Bd. 58, S. 21, oben
Zus. II zu Art. 401. - vr. Löhr, Central-Organ, N. F., S 450.
**) Der Destinatär haftet für alle Lasten, welche ans der Ladung ruhen, dein
Schiffer gegenüber. Das sich hiegegen aussprechende Erkenntniß des Commerz-
und Admiralitäts-Collegii zu Danzig v. 8. Juni 1864 (Kölner Central-Organ,
1863, S. 109), Bd. III, S. 384 dieses Archivs, ist in seiner Begründung nicht
anzuerkennen. — vr. Kuhn, das Frachtgeschäft in Bd. VI, S. 360. 364 dieses
Archivs. — Lab and, das kaufmännische Pfand- und Retentionsrecht in Gold -
s ch m i d t's Zeitschr., Bd. IX, S 471 flg. — Vgl. ferner Zus. II zu Art. 415 d. Bandes.

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