Full text: Volume (Bd. 9 (1866))

258 Handelsr. Entscheidungen aus verschiedenen deutsch. Staaten.

derselben dem Gutb-efinden des Verkäufers ausdrücklich oder
stillschweigend überlassen worden sein.
Auf diese Bestimmungen kann sich jedoch die Klägerin nicht be-
rufen, weil sie zugeben muß, daß die Maaren nicht an den Verklag
ten, sondern an S. von ihr adressirt gewesen sind.
Durch Verabfolgung an den Frachtführer aber kann eine Ueber-
gabe nur dann an den Käufer vollzogen werden, wenn dieser zugleich
der Jenem aufgegebene Empfänger der Maaren ist. Denn nur in
diesem Falle ist nach § 128 a. a. O. eine Vertretung des Käufers
durch den Frachtführer denkbar. Nun bestimmt zwar im Anschluß
an § 129 et. a. O. der § 133:
In allen Fällen gilt es für eine stillschweigende Genehmigung
der von dem Verkäufer gewählten Art der Uebermachung,
wenn der Käufer auf die erste davon erhaltene Nachricht seine
Mißbilligung derselben nicht mit der ersten abgehenden Post
erklärt hat.
Diese Vorschrift scheint die Klägerin im Sinne zu haben, wenn
sie behauptet:
„S. habe dem Verklagten gleich bei Uebergabe der Rechnung
vor Eingang der Maaren gesagt, daß die Maaren nur irrthümlich
an ihn adressirt seien."
Allein wenn auch der Verklagte dieß nicht mißbilligte, so folgt
dennoch daraus gegen ihn nichts. Denn die Anwendbarkeit des
§ 133 a. a. O. ist hier aus denselben Gründen ausgeschlossen, wie
die des § 128.
Die Möglichkeit der Uebergabe, welche das Gesetz zwischen Ab-
wesenden gestattet, beruht auf der Fiktion einer Stellvertretung des
Käufers durch den Frachtführer.
Diese Fiktion findet aber da nicht statt, wo der Letztere die
Maaren zur Beförderung an eine andere Person als den Käufer
übernimmt. In dem vorliegenden Falle würde daher eine Uebergabe
an den Verklagten nur dann vollzogen sein können, wenn die Annahme
begründet wäre, daß S. als sein Vertreter gehandelt hätte.
Hierfür bietet jedoch das gegebene Sachverhältniß keinen Anhalt.
S. repräsentirte die Klägerin.
Die Vertretung des Verklagten durch ihn war daher rechtlich
unmöglich. Klägerin behauptet zwar, daß ihr Agent nur als Spe-

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