Full text: Volume (Bd. 9 (1866))

Königreich Preußen.

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copulativ, nicht alternativ, geknüpft. Beide müssen gleich-
zeitig vorhanden sein, um den Anspruch auszuschließen. Da nun die
Annahme des Gutes (wie eben ausgeführt) erst dann, wenn die Kisten
beim Glashändler abgeladen waren, als erfolgt angesehen werden
konnte, zu dieser Annahme es aber nicht gekommen ist: so kann sich
Beklagter auf Art. 408 nicht berufen. *) Der dritte Einwand ent-
behrt sonach ebenfalls der Begründung.
IV. Als der beklagtische Kutscher, während der Wagen mit den
nachher beschädigten beiden Kisten vor der klägerischen Thür hielt,
vom Kläger die Fracht ausgezahlt bekam, soll Kläger den Kutscher
um die Gefälligkeit gebeten haben, diese Kisten gegen ein Trink-
geld noch zum Glashändler zu fahren. Kläger soll auch, bei der an-
fänglichen Weigerung des Kutschers, seinen Sohn ihm mitgegeben
haben, damit dieser Letztere den Transport beaufsichtige und die Kisten
unterwegs gegen Herabfallen bewahre.
Wäre dieß richtig, so wäre allerdings mit großer Wahrschein-
lichkeit anzunehmen, daß der Kläger damals den dem Beklagten ur-
sprünglich aufgetragenen Transport als vollendet, die beiden
Kisten als an ihn ab ge liefert angesehen und nun selbstständig und
aus eigene Gefahr den Kutscher persönlich für den ferneren Trans-
port engagirt habe.
Die Beweisaufnahme hat diese Behauptung des Beklagten aber
nicht bestätigt. Der Kläger hat den Kutscher einfach angewiesen, die
Kisten zum Glashändler zu fahren, sowie er ihn vorher angewiesen
hatte, die andern Kisten zu den Weinhändlern zu fahren. Er hat sei-
nen Sohn dem Kutscher nur als Wegweiser, nicht als selbststän-
digen Leiter des Transportes mitgegeben, wie das schon das jugend-
liche Alter des Sohnes von 13 Jahren nicht anders vermuthen läßt.
Da sonach auch der vierte Einwand als hinfällig erscheint, so
mußten die Art. 395.400 H.-G.-B. zur Anwendung kommen. Und
das um so mehr, als der Unfall offenbar durch ein grobes Ver-
sehen des Kutschers Herbeigeführt ist. Hätte derselbe die Spann-
kette, welche bisher hinten vor den Wagen gehängt war, bei dem Ab-
fahren zum Glashändler wieder ordnungsmäßig vorgehängt, so wäre
das Herabfallen der Kisten unmöglich gewesen. Beklagter war also
*) Endemann, Handelsrecht, § 156, Note 15, S. 740.

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