Full text: Volume (Bd. 9 (1866))

Königreich Preußen.

237

sie insbesondere auch dann nicht an den Schiffer verweisen, wenn
jener auch in der Lage sein würde, diesen aus Grund des Art. 410,
Absatz 1 und 3 des H.-G.-B. zu belangen. Denn für die streitige
Vertretungspfticht der Verklagten ist das zwischen diesen und dem
Kläger durch Ertheilung und Annahme des in Rede stehenden Auf-
trags zu Stande gekommene Rechtsverhältniß, in welches der Schiffer
nicht eingetreten ist, die Grundlage. Es ist auch unstatthaft, das
Verfahren der Verklagten durch Berufung auf eine Ueblichkeit dessel-
ben zu rechtfertigen. Denn wer eine bestimmte Verpstichtung über-
nommen hat, ist nicht in der Lage, sich von der Erfüllung derselben
durch den Nachweis befreien zu können, daß Andere ebenso handeln
wie er. Der Geltendmachung eines etwa noch zu behauptenden Han-
delsgebrauchs würde entgegenstehen, daß das Gesetz den Spediteur,
welcher seine Pflichten verletzt, ausdrücklich zur Entschädigung ver-
pflichtet — Art. 1. 380 a. a. O. — und daß der ausdrückliche Inhalt
eines Vertrages nicht einer Abänderung durch angebliche Gebräuche
unterliegt. Die von den Verklagten übernommene Verbindlichkeit
bestand aber darin, die Nachnahme bei der Auslieferung der 37 Bal-
len Hanf einzuziehen und zur Verfügung des Klägers zu halten.
Dieser in den letzten Worten gemachte Zusatz schließt jeden möglichen
Zweifel gegen die Annahme aus, daß der Kläger durchaus nicht die
Absicht gehabt hat, den Verklagten die Befugniß zuzugestehen, daß
sie die ihnen aufgetragene Einziehung der Nachnahme einem Dritten
sollten überlassen dürfen. Was über das angebliche Versehen des
Schiffers behauptet worden, ist deßhalb ganz zur Ungebühr in diesen
Proceß gezogen. Wie die Verklagten den von ihnen übernommenen
Auftrag ausführen wollten, ob durch Erhebung der Nachnahme von
dem Schiffer oder wie sonst, war ihre Sache. Sahen sie voraus, daß
sie selbst nicht dafür sorgen konnten, die Nachnahme bei Auslieferung
der Waare zu erhalten, so hätten sie den Auftrag nicht annehmen
sollen. Sie haben aber die Spedition übernommen; sie haben — ob
selbst oder durch einen Dritten, ist dem Kläger gegenüber für das
in Frage stehende Austragsverhältniß ohne jede Erheblichkeit — die
Waare ausgeliefert, ohne die Nachnahme zu empfangen. Sie haben
also contractwidrig gehandelt und müssen deßwegen dem Kläger den
Schaden ersetzen, welcher demselben aus dem Zuwiderhandeln gegen
den ertheilten Auftrag erwachsen ist. Art. 380 a. a. O. Diese Ent-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer