Full text: Volume (Bd. 9 (1866))

Königreich Preußen.

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geringerem, theils zu angegebenem, theils zu höherem Werthe werde
bezahlen müssen," daß er „überhaupt nur das Interesse des Verklag-
ten wahrnehmen werde," lauter Ausdrücke, durch welche er vielleicht
den Verklagten bestimmen konnte, von der Festsetzung seines Preis-
maximums abzusehen, die aber nicht darauf hindeuten, daß es die
Absicht des Klägers gewesen sei, sich nicht auf ein Commissionsgeschäft,
sondern nur auf ein Lieferungsgeschäft zu einem festeu Preise einzu-
lassen. Aus dem angegeben Inhalte des Schreibens vom 4. Mai
erklärt sich auch der Sinn des in dem Antwortschreiben vom 7. Mai
vom Verklagten gebrauchten Wortes „Durchschnittspreis," aber nicht
zu Gunsten der von dem ersten Richter gewählten Auslegung. Denn
nachdem der Kläger bemerkt hat, daß er die Wollen hoffentlich zu
geringerem Preise (von 51 Thlr.) und zu höherem Preise kaufen
werde, erhöht der Verklagte das in dem Schreiben vom 2. Mai ge-
setzte Preismaximum von 51 Thlr. aus den Betrag von 52 Thlr. und
bezeichnet diesen als Durchschnittspreis, d. h. gestattet dem Kläger,
wenn er ein Qantum Wolle zu geringerem Preise als den von 52 Thlr.
angekauft habe, ein anderes zu einem höheren zu erwerben, wenn nur
bei Ziehung des Gesammtresultats der Centner Wolle durchschnitt-
l i ch nicht höher als 52 Thlr. zu stehen komme. Wäre der Preis von
52 Thlr. wirklich als ein fester Lieferungspreis bestimmt worden, so
wäre auch nicht ersichtlich, wie der Kläger, nachdem das Geschäft
durch das Schreiben vom 11. Mai nach der Annahme des ersten
Richters perfect geworden, noch in dem Brief vom 23. Mai hätte
darauf kommen können, dem Verklagten zu schreiben, daß er nicht
glaube im Stande zu sein, das Quantum Wolle zu dem angegebenen
Preise anzuschaffen uud deßhalb um Verhaltungsregeln bitte. Denn
bei einem Lieferungsgeschäst zu einem Preise von 52 Thlr. und 2 Thlr.
Provision würde der Kläger verpflichtet gewesen sein, die zu liefernde
Wolle um jeden auch den höchsten Preis zu beschaffen.
War nun aber, wie hiernach angenommen werden muß, das
zwischen den Parteien zu Stande gekommene Geschäft ein gewöhn-
liches Commissionsgeschäft, bei welchem dem Kläger als
Commissionär von dem Verklagten als Committenten die Bedingung
gestellt worden, einen Durchschnittspreis von 52 Thlr. für die anzu-
kaufende Wolle nicht zu überschreiten, so ist der Kläger auch schuldig,

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