Full text: Volume (Bd. 9 (1866))

216 Haudelsr. Entschciduugcn aus verschiedenen deutsch. Staaten.

schützte Mangel an Schiffsraum vor. Nachdem ihr ein zu befrach-
tendes Schiff nachgewiesen worden, entdeckte sie endlich dem Kläger
die wahre Sachlage und theilte ihm mit, sie habe die Aussicht, ihm
die Hölzer noch im Jahre 1863 zu verschiffen, gänzlich aufgeben
müssen. Dabei drückt sie zwar den Wunsch aus, Kläger möchte ihr
vorläufig den Contract zur Lieferung im nächsten Jahre prolon-
giren; allein der weitere Verlauf des Schreibens beweist, daß die
Erfüllung des im Frühjahre 1863 abgeschlossenen Vertrages nicht
in der Intention der Verklagten lag, daß sie vielmehr einen ganz
neuen Vertrag mit dem Kläger eingehen wollte, dessen Modalitäten
sie nicht einmal anzugeben im Stande war.
Bei dieser Sachlage ist für die Anwendung des Schlußsatzes
des Art. 356 H.-G.-B. kein Raum gelassen. Danach soll der Käu-
fer, wenn die Natur des Geschäfts dieß zuläßt, dem Verkäufer noch
eine den Umständen angemessene Frist zur Nachholung des Versäum-
ten gewähren.
Kläger hatte bereits unter dem 26. Mai 1863 die Verklagte
davon benachrichtigt, daß er einen bedeutenden Theil der gekauften
Hölzer weiter verkauft hätte, und sie zur schleunigen Zusendung auf-
gefordert, auch später dieß wiederholt, weil er von dem Abnehmer
selbst gedrängt werde. Nachdem Verklagte den ganzen Sommer
1863, ohne ihren Verbindlichkeiten zu genügen, hatte verstreichen
lassen, und bei ihrer im September ej. dem Kläger gemachten Er-
öffnung ließ die Natur des Geschäfts die Stellung einer Frist nicht
mehr zu. Denn dasselbe sollte im Jahre 1863 effectuirt werden,
und Kläger befand sich, da er über die gekauften Hölzer bereits
anderweitig disponirt hatte, nicht in der Lage, sich auf das Jahr
1864 vertrösten zu lassen, und zwar um so weniger, als Verklagte
auch nicht einmal für das letztere Jahr mit bestimmten Propositionen
hervorgetreten war.
Die Stellung einer Frist ist keineswegs absolut angeordnet,
sondern sie hängt davon ab, ob die Natur des Geschäfts es gestattet,
dem Verkäufer noch eine den Umständen angemessene Frist zur Nach-
holung des Versäumten zu gewähren, und letzteres war nicht der
Fall. Die Verklagte würde mit sich selbst in Widerspruch gerathen,
wenn sie behaupten wollte, Kläger hätte ihr noch eine innerhalb
des Jahres 1863 liegende Frist zur Nachholung des Versäumten

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