Full text: Volume (Bd. 9 (1866))

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Handelsr. Entscheidungen ans verschiedenen deutsch Staaten.

Andreas Minetti, gewesener Capitän des dem Stanislaus
Fermi gehörigen Schiffes Diavoletto, klagte wider denselben auf
Zahlung seines Lohnes monatlicher 60 Fl. für die letzten 6 Monate
und 21 Tage, vom 23. December 1863 bis 12. Juli 1864 und ein
Geschenk, den sogenannten regalo, im Ganzen auf Zahlung von
545 Fl. ö. W.
Der Beklagte wendete ein, es habe der Kläger seinen Lohn in
die Rechnung über die ihm obliegende Verwaltung des Schiffes ein-
zustellen und er könne gegenwärtig ihn nur auf Genehmigung oder
Bemängelung der gelegten Rechnung belangen, aus welcher sich
Herausstellen wird, daß der Kläger vielmehr dem Beklagten 2250 Fl.
schulde.
Das Handels- und Seegericht in Triest hat hierauf
dem Kläger 402 Fl. nebst Zinsen unbedingt, den sogenannten regalo
im Betrage von 80 Fl. aber unter der Bedingung der Herstellung
des Beweises durch den dem Beklagten aufgetragenen rückschiebbaren
Haupteid, des Inhaltes: daß ähm für die letzte Reise des Schiffes
Diavoletto in dem betreffenden Verfrachtungsvertrage ein regalo
von 8 Pfund Sterling angewiesen worden sei, zuerkannt. Der An-
spruch des Klägers auf Erlag von 63 Fl. für den ihm während der
Reise seitens des Beklagten nicht verabfolgten Wein wurde aber
sofort zurückgewiesen, und zwar aus den Gründen, weil dem
Capitän der Lohn aus Ursache der noch nicht liqui -
dirten Rechnung über die Verwaltung des Schiffes
keineswegs verweigert werden darf, indem der Lohn
dem Capitän auf Grund des zwischen ihm und dem Schiffseigen-
thümer abgeschlossenen Dien st Vertrages gebührt, dessen Giltig-
keit und Rechtswirkungen von den etwaigen Ergebnissen der Rech-
nungslegung über die Verwaltung des Schiffes unabhängig sind,
weil der Schiffsrheder, wenn er glaubte, daß ihm aus der gelegten
Rechnung Entschädigungsansprüche gegen den Capitän zustehen, er
wohl diese im Wege der Compensation gegenüber dem Klagbegehren
des Capitäns geltend machen kann, wenn er, jedoch auf gesetzliche
Weise, den Bestand und Betrag der Gegenansprüche darthut; weil
im gegebenen Falle der Beklagte zwar anführte, daß er Gegenforde-
rungen dem klägerischcu Begehren entgegenzustellen habe, er aber
weder den Betrag derselben verzeichnet, noch vielweniger liefert er

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