Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

Bezirk des H.-A.-G. zu Nürnberg. Art. 338. 360. 469
Die hiernach berechtigte Annahme der Wahrheit des klägeri-
schen Vorbringens wird durch die von dem Beklagten dagegen
hervorgehobenen Momente nicht aufgehoben oder auch nur geschwächt.
Allerdings ergibt die vorliegende Correspondenz, daß Beklagter
nicht sämmtliche ihm übersendeten Waaren bestellt hatte, sondern
ein Theil derselben von den Klägern selbst ausgewählt wurde,
wiewohl gerade aus dem Briefe vom 27. September 1866 von
Casimir Reis an Nepomuk Reis hervorgeht, daß das dort ver-
zeichnete Assortiment nicht, wie Beklagter behauptet, von den
Klägern oder Casimir Reis selbst arrangirt, sondern von den
Beklagten bestellt wurde, wobei insbesondere hervorzuheben ist,
daß es in diesem Briese nicht heißt: „darum bestelle ich," wie
Beklagter zur Begründung seiner Behauptung anführt, sondern
„darum bestelle die fehlenden Gegenstände." Allein auch bei einem
Kaufe kann die Auswahl der zu übersendenden Gegenstände dem
Verkäufer überlassen werden, und gerade in dem vorliegenden
Falle kann hierin um so weniger etwas Absonderliches gefunden
werden, als Beklagter erst ein neues Geschäft mit den in Frage
stehenden Artikeln eröffnete und einer etwa zu weit gehenden Aus-
wahl der Verkäufer ja die Befugniß des Käufers gegenüber stand,
nicht verkäufliche Waare zu remittiren und andere dafür zu nehmen.
Es mag auch sein, daß, wie aus dem der Faktura vom 21.
October 1866 beigefügten Briefe gefolgert werden kann, dem Be-
klagten von den Klägern Preiscourante eingehändigt wurden, welche
von Ersterem seinen Kunden vorgelegt werden sollten. Allein dies
kann wohl bei dem Commissionsgeschäste Vorkommen, liefert aber
noch keinen Beweis für dasselbe; auch bei dem Kaufsgeschäste ist
ein solches Verfahren nicht ausgeschlossen. Die Kläger mochten
wohl ein Interesse daran haben, daß ihr Fabricat in weiteren
Kreisen bekannt werde, ein größeres Absatzgebiet finde, und dem
Beklagten mochte daran gelegen sein, den Abnehmern kund zu
geben, daß er seine Waaren aus der klägerischen Fabrik beziehe
und um den Fabrikpreis verkaufe. Daher die Vorlage des Preis-
courantes, ohne daß man deßhalb nothwendig ein Commisstons-
geschäft supponiren muß.
Ebensowenig gibt die Bemerkung der Kläger in ihrem Briefe
an den Beklagten vom 17. December 1866:

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