Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

Bezirk des H.--A.-G. zu Nürnberg. Art. 319, 323.

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obachtung von Treue und Glauben dem Offerenten mit dem
Beisatze „freibleibend" ein Mittel an die Hand gegeben, die ihm
günstigen Konjunkturen zum Nachtheile dessen auszubeuten, dem
er ein ganz bestimmtes Offert gemacht hat und von dem dieses
Offert auch in gutem Glauben angenommen wurde.*)
Somit kann es keinem Zweifel unterliegen, daß das Schweigen
des Offerenten aus |bte Acceptation eines freibleibend gemachten
Offertes als feste Zusage zu gelten hat, und in Folge hiervon
derselbe zur Ausführung des gemachten Offertes verpflichtet wird.
In dem vorwürfigen Falle hat aus die Anfrage des Klägers
vom 22. September 1867 Beklagter demselben mit Brief vom
28. deff. Monats und Jahres Wachholderbeeren nach beigehendem
Muster mit 6 Fl. per bahr. Ctr. ab Würzburg „freibleibend"
osserirt und hierbei bemerkt, daß er wohl glaube, innerhalb drei
Wochen das gewünschte Quantum von 100 Ctrn. aufgebracht zu
haben. Hieraus erwiderte Kläger mit Schreiben vom 30. des
näml. Monats und Jahres:
„Hiermit acceptire ich Ihr Offert, lautend aus 100 Ctr.
Wachholderbeeren zum Preise von 6 Fl. per bahr. Ctr.
ab Würzburg in bemusterter Qualität und liefchbar an
drei Wochen — doch binde ich Sie hinsichtlich des Liefer-
ungstermines nicht auf 14 Tage."
Es liegt daher ein Anerbieten zum Verkaufe einer nach
Quantität, Qualität und Preis genau bestimmten Waare und
die Acceptation dieses Offertes, hiermit aber die Willenseinigung
der Betheiligten über alle wesentlichen Punkte eines Kaufgeschäftes
vor. Insbesondere muß auch die Quantität in dem Offerte
als bestimmt genug bezeichnet angenommen werden, da in dem
Briefe vom 22. September 100 Ctr. als das gewünschte Quantum
angegeben sind und in dem Briefe vom 28. September ausdrück-
lich auf das gewünschte Quantum von 100 Ctrn. Bezug genommen
worden ist.
Pflicht des Beklagten war es hiernach, aus die Acceptation
seines Offertes, falls er von dem demselben beigefügten Vorbehalte
*) Es waren insbesondere die technischen Beisitzer des Gerichtshofes, welche
diese Grundsätze mit aller Entschiedenheit verfochten und deren Festhaltung als
eine geradezu unentbehrliche Stütze des Handelsverkehrs erklärten.
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. XXI. 29

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