Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

Bezirk des H.-A.-G. zu Nürnberg. Art. 319, 323. 441
desselben dessen Zurücknahme, gleichviel aus welchem Grunde
immer, freihalten will.
Ein mit dem Beisatze „freibleibend" gemachtes Offert ist da-
her ein unter dem Vorbehalte des Widerrufes gemachtes
und dessen rechtliche Wirkungen sind durch die Nicht ausübung
dieses vorbehaltenen Rechtes von Seite des Offerenten bedingt.
Während nach Art. 319 des H.-G.-Bs. der Antragende bis
zu dem Zeitpunkte gebunden bleibt, in welchem er bei ordnungs-
mäßiger rechtzeitiger Absendung der Antwort den Eingang der
letzteren erwarten darf, besteht bei einem „freibleibend" gemachten
Antrag für den Antragenden eine solche Verbindlichkeit nicht; er
ist auch bei rechtzeitig eingetroffener Acceptation seines Offertes
dasselbe zurückzunehmen berechtigt.
Macht er dagegen von diesem Rechte keinen Gebrauch, so
wird er aus dem durch sein Offert und die hierauf erfolgte An-
nahme desselben von Seite des anderen Theiles zwischen beiden
Parteien zu Stande gekommenen Vertrage rechtswirksam verpflichtet.
Sache des Antragenden ist es hiernach, die Zurück-
nahme seines Offertes rechtzeitig dem anderen Theile zu
• erklären, und die Unterlassung einer solchen Erklärung gilt als
Verzicht auf die Geltendmachung der durch den Ausdruck „frei-
bleibend" vorbehaltenen Rücktrittsbefugniß.
Diese Auffassung der Bedeutung des Ausdruckes „freibleibend"
bei einem Kaufsosferte entspricht nicht nur der Natur der Sache,
sondern auch dem Bedürfnisse des Verkehres.
Bei einem Anerbieten zum Verkaufe, in welchem die zu ver-
kaufende Waare nach Quantität, Qualität und Preis genau be-
zeichnet ist, bedarf es von Seite desjenigen, dem das Anerbieten
gemacht wurde, lediglich einer einfachen Acceptation, um das Kauf-
geschäft zu Stande zu bringen.
Alle wesentlichen Momente eines Kaufgeschäftes sind in einem
solchen Anerbieten enthalten, so daß nur eine Bejahung der mit
demselben gestellten Frage von Seite des Gegenbetheiligten erfor-
derlich ist, um den aus den Abschluß des Geschäftes gerichteten
übereinstimmenden Willen beider Theile erkennen zu lassen.
Von demjenigen, welcher ein Anerbieten des bezeichneten In-
haltes macht, kann nun aber, selbst wenn er durch den Beisatz.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer