Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

438 Bezirk des H.-A.-G. zu Nürnberg. Art. 283.
getheilt und sodann gemäß einem von diesen erhaltenen Aufträge
die Bretter unter der Adresse Fritz Neiberg nach Frankfurt auf
der Bahn verfrachtet haben.
Die entgegenstehende Sachdarlegung des Beklagten benutzte
nun Kläger in der Replik zu einem weiteren Klaggrunde insofern,
als daraus gefolgert wurde, daß die Verladung und Versendung
der bezüglichen Bretter in eigenmächtiger Weise vom Beklagten
vorgenommen worden sei, dieser sohin, auch wenn er nicht selbst
als Käufer der Bretter zu betrachten sein würde, jedenfalls für
die Folgen seiner widerrechtlichen Handlung einstehen und dem
Kläger den Werth seiner Bretter ersetzen müsse.
Diese Anschauung billigte auch das Handelsappellationsgericht
mit Erkenntniß vom 16. Decbr. 1868; in den Motiven dazu ist
bemerkt:
Nach den in der Replik ausgestellten Gesichtspunkten ist der
Anspruch des Klägers als Entschädigungssorderung zu beurtheilen
und als solche ist sie laut den eigenen Erörterungen des Beklagten
nicht blos begründet, sondern auch bereits liquid.
Beklagter, welcher sich als Geschäftsführer und Einkäufer der
hauptsächlich mit Holzhandel sich befassenden Firma Fertig u. Co.
gerirt, und dem somit gute Kenntniß der aus Kaufsgeschäften für
Käufer und Verkäufer entstehenden Rechte und Pflichten zuzutrauen
ist, mußte wissen, daß der Käufer die Berechtigung zur Verfügung
über die gekauften Waaren erst mit der Bezahlung des Kaufpreises
erhält, insofern nicht ausdrücklich auf Credit gehandelt wird. Er
mußte demnach auch wissen, daß Fertig u. Co., welche er als die
Käufer des Holzes hinzustellen suchte, nicht schon durch stillschwei-
gende Acceptation des vom Kläger bestimmten Preises, sondern
erst mit Bezahlung des Kaufpreises oder in Folge bewilligter
Creditsrist das Eigenthum an den Brettern des Klägers erwerben,
daß sie vorher ein Versügungsrecht über dieselben nicht hatten und
daß sie deßhalb auch nicht in der Lage waren, solche ohne weiters
nach Frankfurt für ihre Rechnung verfrachten lassen zu können.
Wenn Beklagter nun ohne Wissen und hinter dem Rücken des
Klägers und Eigenthümers, und in dem Bewußtsein, daß Fertig
n. Co. nur in rechtswidriger Weise ein Verfügungsrecht über die
fraglichen Bretter sich anmaßen konnten, dennoch nach ihrer An-

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